games we play

7 Wonders

von Antoine Bauza

Repos (Redaktion: Cédrick Caumont und Thomas Provoost)
(Vertrieb: Asmodee)

ca. 40 €

3 bis 7 SpielerInnen

Schwierigkeiteinfach (ab ca. 10 Jahre)

super: 6 Punkte games we play Tip: Das TOPspielKennerspiel des Jahres 2011

Deutscher Spiele Preis 2011

á la carte Kartenspielpreis 2011

Was ist mit den deutschen Spieleautoren und Verlagen los? Noch halten wir uns für den Nabel der Brettspielwelt – dabei kommen die genialen Innovationen der letzten zwei, drei Jahre entweder aus Frankreich oder den USA. Das Kartenspiel Dominion, die Kommunikationsspiele Identik und Dixit, das kooperative Pandemie – und jetzt kommt 7 Wonders. Ein brillantes Kartenspiel von einem französischem Autor, der sich in diesem Fall mit einem belgischen Verlag zusammengetan hat.

Jeder Spieler bekommt sieben Spielkarten auf die Hand. Alle suchen sich gleichzeitig eine Karte aus, geben die restlichen Handkarten an den Spieler links weiter und führen die Aktion der ausgespielten Karte aus. Das passiert nun noch fünf mal, und die letzte Karte landet unbenutzt auf dem Ablagestapel. Dieser Rundenablauf wird mit anderen Spielkarten zwei Mal wiederholt – dann wird der Sieger ermittel.

Experten lassen jetzt einfließen, dass dieses Spielprinzip so neu nicht sei, bereits 2004 sei das japanischen Fairy Tale erschienen. Aber: Fairy Tale hat es nie geschafft, ein breiteres Publikum zu erreichen. Das ist bei 7 Wonders anders. Auf der Essener Spiel ’10 hat sich der Titel bei den Fairplay Scouts mühelos gegen eine Phalanx zumeist hochkomplexer Spiele durchsetzen können und landete bei diesem viel beachteten Ranking auf Platz 1.

Der Kartenspielmechanismus des synchronen Aussuchens, Weitergebens und Ausführens ist ein wichtiger Teil des Erfolgs. Er ist eingängig, einfach und flott. Aber zum Erfolg gehört mehr – nämlich eine stimmige Rundumgeschichte mit passender spielerischer Einbettung, was hier zweifelsohne gelingt. Jeder Spieler hat ein anderes Tableau, auf dem ein Weltwunder abgebildet ist, das es zu errichten gilt. Spielkarten gibt es in verschiedenen Farben, am Anfang sind die braunen Rohstoffkarten besonders beliebt. Denn ohne Rohstoffe kann man viele andere Karten nicht „bauen“. Immerhin gibt es die Möglichkeit, sich auch beim rechten oder linken Nachbarn zu bedienen, was jedoch zwei Geld pro Ressource kostet.

Die Interaktion in 7 Wonders beschränkt sich auf die unmittelbaren Nebenleute. Was haben die für Rohstoffe? Wie viel rote Militärkarten haben sie aufgefahren? Außerdem muss ich gucken, welche Taktik mein linker Nachbar fährt, bevor ich den Kartenstapel weitergebe.

Ansonsten spielt man bei 7 Wonders eher für sich allein. Jeder versucht, sein Tableau zu optimieren, in dem er sich gut ergänzende Karten ausgelegt. Gleichzeitig muss jeder selbst für die Einhaltung der Regeln sorgen, wenn man 7 Wonders flott und locker in einer halben Stunden runterspielen will. Immerhin sind die Regeln überaus eingängig – wenn man erst einmal eine Partie hinter sich hat. Denn die Anleitung ist beim ersten Lesen leider etwas verwirrend.

Die Schlusswertung nimmt etwas Zeit in Anspruch, wenn auf dem beigelegten Block die Punktewertungen addiert werden. Schneller geht es, wenn jeder seine Punkte selbst ausrechnet.

Genial an 7 Wonders ist die Variabilität der Spielerzahl. Drei bis sieben Leute haben ihren Spaß. Und immer geht die Partie ungefähr genauso schnell über die Bühne – dem synchronen Agieren sei dank. Zu dritt ist das Spiel taktischer – denn kann darauf spekulieren, die Karte in einem Stapel später noch mal zur Auswahl zu bekommen. Im Siebener-Spiel ist das ausgeschlossen. Hier überwiegt die Freude daran, dass man ein außergewöhnliches Spiel in einer großen Runde genießen kann.

Damit erweist sich 7 Wonders als kongeniale Ergänzung zum Kartenspiel Dominion, dessen Stärken eindeutig im Zwei-Personen-Spiel liegen. Allerdings ist die Zugänglichkeit von 7 Wonders etwas diffiziler als von Dominion, weshalb es das ganz große Publikum nicht so leicht erreichen wird.

[ brettspielwelt.de: 7 Wonders online spielen ]

© Harald Schrapers · games we play 2011