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Abenteuer Menschheit

schön: 5 Punkte games we play Tip: Das TOPspielSTERN Spiel

von Klaus Teuber

Kosmos (Redaktion: TM)

ca. 30 €

– nicht mehr lieferbar –

bis 5 SpielerInnen

Schwierigkeit mittel (ab ca. 12 Jahre)

Verpackung +

2003

Eine Weltkarte, die aus den „catanschen“ Sechseckfeldern besteht, ist das Spielbrett von Abenteuer Menschheit. Das Magazin Stern hat zeitgleich mit dem Erscheinen des Spiels im Herbst 2002 eine Serie veröffentlicht, in der die Entstehung der Menschheit nachgezeichnet wird. Diese Serie wird nicht nur von einem Buch begleitet, sondern auch eben auch von einem Spiel. Denn in der Stern-Redaktion gebe es eine kleine Gruppe, die regelmäßig miteinander spiele, erzählte Kosmos-Pressesprecher Fritz Gruber. Deren Idee sei es gewesen, zur Serie auch ein Spiel zu machen.

Und aus dieser Idee ist ein erstklassiges Spiel entstanden. Denn Klaus Teuber hat auf sein bewährtes Siedler von Catan-Spielprinzip zurückgegriffen. Nach den Siedlern von Nürnberg, das die Stadtgeschichte aufgriff, ist es bereits seine zweite historische „Auftragsarbeit“.

Jede SpielerIn startet mit drei Stämmen, die an Kreuzungspunkten in Afrika aufgestellt werden. Mit ihren Nomadenfiguren bewegen sie sich anschließend in Richtung Asien und Europa. Dort werden die Nomadenfiguren dann sesshaft und in einen Stamm umgewandelt. Dies bedeutet jedes Mal einen Siegpunkt.

Tatsächlich: die heutige Menschheit hat ihren Ausgangspunkt in Afrika genommen. Von da aus hat sie sich über alle anderen Kontinente ausgebreitet. Allerdings gab es zu diesem Zeitpunkt bei uns bereits den Neandertaler, der vor 30.000 Jahren ausgestorben ist. Vielleicht wurde er von dem modernen Menschen ausgerottet oder er starb beispielsweise wegen Veränderungen der Umwelt aus. Neueste Erkenntnisse von Genanalysen deuten darauf hin, dass er sich nicht mit dem modernen Menschen vermischt hat.

Auch im Spiel gibt es den Neandertaler. Er übernimmt die Rolle des Räubers, wie er in Siedler von Catan vorkommt. „Der ist keine böse Figur“, beschreibt Klaus Teuber seinen Neandertaler. „Aber er stört halt irgendwie.“ Gehandelt wird bei Abenteuer Menschheit natürlich auch. „Haste Fleisch, gibst mir Kochen?“, erläutert Teuber. Außerdem können Felle und Feuerstein getauscht werden, somit gibt es hier nur vier Rohstoffe – einer weniger als auf Catan.

Im Laufe des Spiels entwickeln die SpielerInnen für sich zusätzlich Fertigkeiten, beispielsweise bessere Kleidung oder den Bau von Booten. Damit können auch abseitige Wege, etwa nach Amerika und Australien, gegangen werden. Auf diesen Wegen gibt es Ereignis-Chips, die unter anderem dazu führen, dass Spielplanfelder in Afrika mit einer Wüste überdeckt werden. Da zudem die Stammesfiguren, die jede SpielerIn hat, begrenzt sind, beschleunigt sich dann der Umzug aus Afrika in wohnlichere Erdteile.

„Abenteuer Menschheit ist kein so liebes Spiel wie Die Siedler von Catan“, warnt Wolfgang Friebe in der Fairplay und stellt fest, dass es viel mehr „Ärgerpotenzial“ besäße. Wer es friedlich spiele, würde eine Partie unter „ausgebufften Spielern“ niemals gewinnen.

Abenteuer Menschheit ist ein großes Siedler-Szenario, das jedoch eigenständig spielbar ist. Kenntnisse vom Siedler-Grundspiel sollten trotzdem Voraussetzung sein, um es zu spielen. Denn es ist durchaus komplexer als Siedler von Catan. Die Altersangabe „ab 10“ ist zu tief gegriffen und die Idee von Kosmos, man könne durch die Kooperation mit dem Stern „neue Kreise für das Thema Spiel gewinnen“, wird sich auf diese Weise wohl nicht umsetzen lassen. Vielleicht lässt sich ein Trend zum Zweitspiel für diejenigen anstoßen, die bislang nur die Siedler als modernes Brettspiel kennen.

Abenteuer Menschheit ist ein brillantes, wenn auch nicht sonderlich originelles Spiel. Deshalb droht es, in der Masse der verschiedenen Catan-Abkömmlinge unterzugehen.

© games we play 2002-08 – Autor: Harald Schrapers