games we play

A la carte

schön: 5 Punktevon Karl-Heinz Schmiel

Moskito / Heidelberger (Redaktion: Heiko Eller)

ca. 30 € 

2 bis 4 SpielerInnen

Schwierigkeitsehr einfach (ab ca. 8 Jahre)

überarbeitete Neuauflage 2010

nominiert für das Spiel des Jahres 2010

2. Platz Deutscher Spiele Preis 1990

Zuerst erschien A la carte vor zwei Jahrzehnten in Karl-Heinz Schmiels Eigenverlag Moskito und glänzte durch seine Originalität und die etwas improvisiert wirkende Ausstattung. So musste der damalige Gasherd mit kleinen Wäscheklammern eingestellt werden. Trotzdem wurde es damals mit einem 2. Platz beim Deutschen Spiele Preis belohnt.

Jetzt ist das Spiel endlich fertig – 20 Jahre hat es gedauert, bis Schmiel sein Kochspiel erneut veröffentlichen konnte. Der Heidelberger Spieleverlag wurde als finanzkräftiger Kooperationspartner gefunden. Jetzt steht unsere kleine Metall-Puppenstubenpfanne endlich auf einem wirklich professionell aussehenden Gasherd. Das freut den Hobbykoch. Allerdings ist der Aufbau vor dem ersten Spiel nicht so einfach, ich brauchte für die Reglermontage einen Hammer, die aktualisierte Spielregel empfiehlt eine Flachzange.

Ich stelle meine Pfanne auf meinen Herd. Die Flamme steht zunächst auf 0, sie kann bis auf 7 aufgedreht werden. Jetzt muss ich ein Rezeptplättchen aussuchen, das ich in die Bratpfanne lege. Das „Nilpferd in Burgunder“-Rezept schreibt vor, dass ich den Herd auf 3 bis 5 anheize. Hochgedreht wird mit einem Würfel. Vorsicht: bei 6 ist das Gericht verbrannt und landet direkt im Müll.

Würzen muss ich meinen Flusspferdbraten mit zwei mal Pfeffer und ein mal Zitrone. Dazu nehme ich die Pfeffer- oder Zitronendose und drehe sie über meiner Pfanne um. Heraus fallen die Kunststoffgewürze. Hier ist Geschicklichkeit und Glück gefragt. Nachschütteln ist nicht erlaubt. Sondern die Gewürzdose muss mit einem Mal mit dem nötigen Schwung bedient werden.

Mal klappt es, mal nicht. Mal kommt zu viel, mal zu wenig aus der Dose. Oder gar nichts. Ärgerlich ist auch das Salz. Das ist jeder der Gewürzdosen beigemischt. Und bei drei Salzkristallen in einer Pfanne heißt es: versalzt. Genauso ist es bei drei Gewürzen einer Sorte: verwürzt. Das heißt immerhin, dass man ein wenig großzügiger würzen darf, als es das Rezept vorsieht. Nur zum Sternekoch schafft man es so nicht – da muss man es mit den Gewürzen nämlich ganz genau nehmen.

Drei Aktionsmöglichkeiten habe ich pro Zug. Meistens wird das Gericht damit nicht fertig, dann setze ich meine Kochversuche fort, sobald ich wieder an der Reihe bin.

Neu in der Moskito/Heidelberger-Auflage sind die Crêpes. Hier dürfen wir den Pfannkuchen – ein Pappplättchen – in der Luft wenden. Dabei kommt es allein auf unser Geschick an. Wer dies schon mal im richtigen Leben geschafft hat, mag seine Erfahrungen hier einbringen. Und wer das fachkundige Wenden eines Crêpe hier lernt, darf es anschließend auch mal in der richtigen Küche versuchen.

A la carte ist ein Spaßspiel. Hier kämpft keiner verbissen um den Sieg, sondern man erfreut sich an dem ungewöhnlichen Material und Ablauf. Ein Dauerbrenner für Spielefreaks wird A la carte also nicht, denn dafür ist der taktische Gehalt etwas dünn. Aber es wird gerne hervorgeholt, um es quasi zur Entspannung zu spielen oder ein lustiges Angebot für Kinder oder Spielunerfahrene auf den Tisch zu bringen.

Dessert

ca. 17 €

3 bis 5 SpielerInnen

2011

Herd und Pfanne für den fünften Spieler, ein Streuer mit einer vierfarbigen Gewürzmischung, die Salzgerichte und neue Kaffeetassen sind der dürftige Inhalt der Erweiterungs-Box.

Das meiste ist selbsterklärend, spieltechnisch macht das nur sehr wenig her. Schlechter wird das Spiel durchs Dessert nicht, aber mehr als dekoratives Beiwerk bietet es leider nicht.

Eine Besprechung von Dessertfinden Sie im Magazin spielbox 1/2011.

© Harald Schrapers · games we play – niederrhein magazin 1994–2011