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Das Artemis-Projekt

4 von 6 Punkten von Daryl Chow und Daniel Rocchi

Grimspire (Redaktion: Joshua Cappel, Rico Besteher, Lizenz: Grand Games Guild, Vertrieb: Happyshops)

Illustration: Dominik Mayer

ca. 55 €

1 bis 5 SpielerInnen (besser: 2 bis 4)

Schwierigkeit mittel (ab ca. 12 Jahre)

Jahrgang 2021

Eine Kolonie auf dem unwirtlichen Jupiter-Mond Europa: Wir werfen unsere je fünf Würfel und platzieren sie reihum auf den verschiedenen Orten auf dem Spielbrett. Man bekommt entweder Mineralien oder Energie, man kann Siedler anwerben und Gebäude kaufen. Die Siedler kosten Energie – und wenn sie nicht in einem Gebäude untergebracht werden – pro Runde zusätzliche Heizenergie, um zu überleben. Die Gebäude kosten Mineralien und bedeuten unter anderen Siegpunkte, wenn sie mit den geforderten Siedlern besetzt werden.

Das Ganze hört sich nach einem ziemlich konventionellen „Diceplacing“ an, hat aber durchaus interessante Aspekte. Wer einen hohen Würfel auf ein Gebäude legt, wird es zwar bekommen – muss aber auch so viele Mineralien zahlen, wie es der Würfelwert vorgibt. Deshalb ist es manchmal besser, einen niedrigen Würfel zu haben. Noch raffinierter ist der Mechanismus an den anderen Orten, wo hohe Würfel Gefahr laufen, verdrängt zu werden. Eine 6 im Mineralienbruch könnte zwar sechs Steine bedeuten. Aber die 6 muss sich hinten anstellen. Zuerst bekommen die Spielerinnen, die Würfel mit 1, 2, 3 und so weiter gelegt haben, die Mineralien. Nur wenn der knappe Vorrat ausreicht, kann man mit der 6 richtig absahnen.

Leider schafft es Das Artemis-Projekt nicht, sich auf diesen recht spannenden Würfelmechanismus zu konzentrieren. Stattdessen gibt es noch Expeditionskarten, dazu Abzeichen (die man oft vergisst) plus eine seltsame Punkteleiste, zwei Siegpunkte für die meisten Werkzeugkoffer, eine Akademie zur Weiterbildung der Siedler zum Verwalter, überflüssige Ereigniskarten zum Zählen der Runden und und und. Was passiert, wenn man den Verwalter zu einer Expedition stellt? Dann gibt es unter Umständen eine zusätzliche Belohnung. „Diese Bedingung ist äußerst schwer zu erfüllen“, ist dazu in der Spielanleitung zu lesen. Eine gute Redaktion hätte dieses Regeldetail allein deshalb komplett verworfen. Reduktion und Konzentration auf das Wesentliche wäre das Gebot der Stunde gewesen. Doch leider hat man das Gefühl, im Entwicklungsprozess seien immer mehr Details hinzugekommen, die allesamt gut gemeint waren, um ein ausgefeiltes Spiel zu erreichen. Aber zwischen gut gemeint und gut gemacht klafft hier eine unverkennbare Lücke.

Thematisch ist das Spiel stimmig gestaltet, die Grafik kann mit klaren Symbolen überzeugen, und auch der Ablauf ist in seinen Grundzügen gut gelungen. Wenn man da noch mal angesetzt hätte, ein, zwei Elemente eingespart, ein paar Details besser durchdacht und die Spieldauer ein wenig verkürzt hätte: Artemis-Projekt hätte das Zeug gehabt, ein richtiges gutes Spiel zu sein.

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