games we play

Bakschisch

Gut geschmiert ist halb gewonnen

von Fritz Gruber, Wolfgang Lüdtke, Reiner Müller, Peter Neugebauer und Klaus Teuber ("Kara Ben Hering")

Goldsieber (Redaktion: TM)

ca. 30-40 DM

- nicht mehr lieferbar -

bis 4 SpielerInnen

Schwierigkeit einfach (ab ca. 10 Jahre)schön: 5 Punkte

Verpackung +-

1995

Während anderen Spieleverlagen das Qualitätsspiel immer mehr als ökonomisches Risiko erscheint, tauchte 1995 ein neuer Verlag mit einem ambitionierten Brettspiele-Programm auf: Goldsieber. Hinter diesem Namen steckt die Familie Sieber, der mit Simba Toys eines der größten Spielwarenunternehmen Deutschlands - inklusive einer Niederlassung in Hongkong - gehört.

"Abseits aller wirtschaftlichen Erwägungen", stellt sich Goldsieber vor, verstehe sich der Verlag als Forum für - im wesentlichen - deutsche Autoren. Das Programm hänge von strengen Qualitätskriterien ab, und nicht davon, ob eine Spielidee "glatt" genug sei, um international vermarktet werden zu können.

Bakschisch ist das "kleinste" der vier Goldsieber-Spiele von 1995. Nichtsdestotrotz ist es ein tolles Spiel. Alle SpielerInnen bekommen einen schwarzen Leinensack und einige Goldmünzen. Gesucht wird ein neuer Kalif. Welche SpielerIn kann den Weg auf dem Spielplan als erste zurücklegen und auf dem Thron Platz nehmen?

Auf dem Weg nach oben wird überall die Hand aufgehalten. Wächter, Diener, Haremsdamen, Eunuchen und Fakire fordern ihr Bakschisch, kleine Bestechungsgelder, ein.

Eine Spielkarte wird aufgedeckt, beispielsweise ein Fakir. Alle greifen in ihr Säckchen, klimpern mit den Goldmünzen, schließen die Faust und recken sie zur Tischmitte hin. Die Fäuste öffnen sich. Wer am meisten Geld bietet, darf auf dem Weg bis zum nächsten Fakir vorrücken.

Alles gebotene Geld bleibt auf dem Tisch liegen. Es wird in gleichen Teilen unter allen SpielerInnen am Ende einer Runde - nach fünf Spielkarten - aufgeteilt. Es sei denn, eine MitspielerIn hat kein Geld, sondern einen Räuber in der Faust. Dann hat der Räuber die Knete kassiert.

Klar, auch diese Spielidee ist nicht ganz neu. Alle SpielerInnen überlegen: Wieviel bieten die anderen? Und überlegen: Was denken die anderen, wieviel ich biete? Die Spielidee ist jedoch hervorragend umgesetzt.

Als Autor von Bakschisch wird "Kara Ben Hering" genannt. In zwei Spielen des TM-Verlags tauchte ein "Karl Hering" auf, zunächst als Künstler (dessen Stil an Keith Haring erinnerte) in Vernissage und dann als Boxer in Knock out. Und seit er in einem nahöstlichen Kalifat lebt, nenne es sich "Kara Ben". Lange Rede, kurzer Sinn: Das Goldsieber-Programm wurde in den ersten drei Jahren redaktionell von den TM-Spielen betreut. Und Bakschisch ist eine Gemeinschaftsarbeit des TM-Teams: Wolfgang Lüdtke, Rainer Müller (der damals auch Redakteur der Kosmos-Spiele war), Peter Neugebauer und des erfolgreichen Spieleautors Klaus Teuber. Diese vier sind zusammen mit Fritz Gruber, der Produktmanager der Goldsieber-Spiele war, das hinter dem Pseudonym "Kara Ben Hering" versteckte Autorenteam.

In dieser Hinsicht begann Simba Toys also nicht bei Null. Das Goldsieber-Programm ist ein aus der Spielwarenfirma komplett ausgelagertes Standbein. Mit dem TM-Verlag bediente sich Simba Toys der Dienstleistung eines in der Spieleszene sehr erfahrenen Teams. Bei der Ausstattung der Goldsieber-Spiele ist diese Erfahrung klar zu erkennen. Die Spieleanleitung ist tadellos gestaltet. Es wurde eine neue mittelgroße Verpackung entworfen, die jedoch grundsätzlich viel mehr Luft als Spielmaterial enthält. Die Produktinformation auf der Schachtelrückseite ist vorbildlich: Eine "Info-Line" lässt kaum eine Frage offen und empfiehlt Bakschisch unwidersprochen als "locker-leichtes Bluff- und Knobelspiel".

© games we play – niederrhein magazin – Autor: Harald Schrapers

ausgewählt und bewertet  |  Inhaltsverzeichnis


Stand: 28.8.98