games we play

Die Paläste von Carrara

schön: 5 Punktevon Wolfgang Kramer und Michael Kiesling

Hans im Glück (Vertrieb: Schmidt)

ca. 45 € 

2 bis 4 SpielerInnen

Schwierigkeiteinfach (ab ca. 10 Jahre)

nominiert zum
Kennerspiel des Jahres 2013

Gehört dieses Spiel in die Rubrik Kennerspiel oder einfach nur Spiel des Jahres? Keine leicht zu beantwortende Frage. Denn die einfache Einstiegsversion passt in letztere Kategorie. Die vollständige Variante, die in einem geheimnisvollen Umschlag verpackt ist, passt wiederum zu den Kennerspielen.

Für Geld kaufen wir Bausteine. Und diese wechseln wir in Gebäude, die uns bei einer Wertung entweder Geld oder Siegpunkte gewähren. So einfach ist die Grundidee der Paläste von Carrara. Doch Altmeister Wolfgang Kramer und sein kongenialer Partner Michael Kiesling würde nicht ein derart guter Ruf vorauseilen, wenn sie aus diesem Substrat nicht ein bemerkenswert gutes Spiel entwickeln könnten.

Ihre zentrale Maßnahme ist es, den Bausteinen den Charakter einer zweiten Währung zu geben. Grundsätzlich muss man je nach Größe eines Gebäudes eine festgelegte Bausteinsumme bezahlen. Entscheidend ist, in welcher Stadt man bauen möchte. In Livorno wird nur rein weißer Marmor als Baustoff akzeptiert. Pisa ist da nicht so pingelig, hier kann auch gelblicher Marmor zum Einsatz kommen. Lérici ist froh, wenn überhaupt gebaut wird, hier können alle Farbschattierungen des edlen Materials verbaut werden.

Die Preise der Bausteine sind entsprechend gestaffelt. Am günstigsten ist Schwarz, Weiß ist grundsätzlich am teuersten. Doch es gibt keinen Fixpreis. Um den Währungscharakter des Baumaterials zu betonen, haben Kramer/Kiesling dem Spiel ein Rondell verpasst. Hier wird das Material draufgelegt. Jedesmal, wenn ein Spieler kaufen will, dreht er das Rondell ein Stück weiter, wodurch der Preis sinkt.

Den Spielern verlangt das gutes Timing ab. Wann kann ich günstig kaufen, wann kann ich viel kaufen? Denn man darf nur in einem einzigen Rondellabschnitt zugreifen. Timing bedeutet, auf die begrenzte Zahl an Zügen zu achten. Wer an der Reihe ist, kann entweder Baumaterial kaufen, Gebäude bauen oder werten. Wer oft kauft und baut, kann selten werten. Oder umgekehrt.

Bei den Zwischenwertungen kann man entweder mit allen Gebäuden einer Stadt oder mit einer Gebäudeart in allen Orten punkten. Zu gewinnen gibt es nicht nur Geld und Siegpunkte, sondern auch noch einige Holzobjekte.

Der Schluss ist raffiniert gestaltet. Es gibt drei Bedingungen, die erfüllt sein müssen, damit ein Spieler das Ende ankündigen darf: Er muss wenigstens viermal gewertet haben, eine Mindestanzahl an Bausteinen investiert und eine bestimmte Zahl an Objekten gesammelt haben. Für die beiden letzten Faktoren gibt es dann noch mal Siegpunkte in der Schlusswertung.

Dem Spiel beigelegt ist ein geheimnisvoller, zugeklebter Umschlag mit einer Erweiterung, die man frühestens nach der zweiten Partie öffnen darf. Ich muss hier keine so genannte „Spoilerwarnung“ einfügen, wenn ich verrate, dass sich darin Spielkarten mit vielen unterschiedlichen Siegbedingungen verbergen. Denn dass Spielkarten fehlen, sieht man dem Grundspiel bereits optisch an. Außerdem wird in der Fortgeschrittenenvariante zwischen grünen und rötlichen Gebäuden sowie den diversen Objektarten unterschieden.

Das Grundspiel ist ganz offensichtlich eine abgespeckte Einsteigerversion von Carrara. Um ein breiteres Publikum zu erreichen, ist das eine sehr gute Präsentation dieses Spiels. Der Umstieg auf das vollständige Spiel könnte noch etwas einfacher sein, wenn die Erweiterungsanleitung etwas knapper und präziser gefasst wäre.

Insgesamt ist Carrara ein rundes Spiel, das eine einfache Grundidee mit ein wenig Thematik (Marmor) und Mechanik (Rondell) aufpeppt. Damit wird man viele Spielerrunden überzeugen können.

© Harald Schrapers · games we play 2013