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Das tiefe Land

5 von 6 Punktenvon Claudia Partenheimer und Ralf Partenheimer

Feuerland (Redaktion: Inga Keutmann)

Illustration: Andrea Boekhoff

ca. 50 €

Das tiefe Land2 bis 4 SpielerInnen (am besten: 3 bis 4)

Schwierigkeit schwer

Jahrgang 2019

Das tiefe Land ist ein Worker Placement Game. Das heißt, ich setze meine drei Figuren – allesamt Landwirte, als Arbeiter auf meinem Bauernhof ein, um damit bestimmte Aktionen auszulösen. Wir können Gebäude oder Anlagen auf unser Grundstück setzen, wir können uns am Deichbau beteiligen, wir können Zäune ziehen, damit die Schafe nicht weggelaufen, wir können mit den Tieren handeln oder ziehen Baustoffkarten nach.

Das hört sich zunächst an, wie viele andere Spiele, die das ziemlich gewöhnliche Arbeiter-Einsetz-Konzept verfolgen. Doch Das tiefe Land ist anders. Das liegt nicht so sehr an den netten Schafen und saftigen Weiden (das Spiel ist bildschön, nur die Aufkleber auf den Bauern stören die Optik). Sondern an der drohenden Katastrophe. Der Deich kann brechen, die Weiden überschwemmen, und unsere Schafe können ertrinken. Um dies zu verhindern, müssten wir gemeinsam am Deichbau teilhaben. Das tiefe Land ist semikooperativ. Wir werden mehr oder weniger freiwillig – oder doch widerwillig – den Deich weiter erhöhen müssen. Doch das kostet uns eine wertvolle Aktion sowie Baustoffe, dir wir eigentlich egoistisch für unseren privaten Hof verwenden möchten.

Sich aus der Gemeinschaft auszuklinken würde uns nicht nur den Beschimpfungen der Mitspieler aussetzen, sondern man wird im Schadensfalle mit besonders vielen Deichbruchmarkern bestraft. Und wer am meisten zur Sicherung gegen die Sturmflut beiträgt, wird belohnt. Gerade das kooperative Element sorgt für sehr viel Interaktion. Man muss überlegen, wen man beim Deichbau an der eigenen Aktion mitbeteiligt. Und man appelliert an die gegnerischen Spielerinnen und Spieler, auch mal die Initiative zu ergreifen und sich gegen die Flut zu stemmen.

Am Ende hofft der fleißigste Deichbauer, dass in der finalen Flut der Deich dann doch bricht. Denn nur dann dezimieren die Deichbruchmarker spürbar die Herde der Faulen. Das ist thematisch nicht hundertprozentig überzeugend. Und letztlich ist Das tiefe Land eben doch ein Spiel – und keine Geschichte, die wir einem Faktencheck unterziehen. Allerdings merken wir, das es gar nicht so leicht ist, sich in die spielmechanischen Bedingungen hineinzudenken. Das tiefe Land ist folglich ganz schon anspruchsvoll, wenn es darum geht, sich ein strategisch passables Vorgehen zu überlegen.

Auch die zwölf eng bedruckte Seiten Spielanleitung sind ein Brocken. Ich habe das Gefühl, dass man an manchen Regeldetails noch hätte entschlacken können. Trotzdem: Das tiefe Land ist ein Erlebnis, das den Aufwand lohnt, sich in die Widrigkeiten der Schafzucht hinter dem Nordseedeich einzuarbeiten.

© · games we play 2019


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