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Emojito

nett: 4 Punktevon Urtis Šulinskas

Huch / Desyllas Games (Redaktion: Simon Hopp, Vertrieb: Hutter Trade)

Illustration: Tony Tzanoukakis

ca. 22 €

2 bis 14 SpielerInnen (am besten: 5 bis 7)

Schwierigkeit sehr einfach (ab ca. 8 Jahre)

Nominiert für das Kinderspiel des Jahres 2018

Auf den Spielkarten sind Gesichter abgebildet: oftmals die von Tieren, aber auch Gegenstände oder Früchte haben ein Gesicht, genauso wie die Walnuss, die gerade zwischen die Hebel eines Nussknackers gerät. Es ist die Emotion, auf die es jetzt ankommt. Welches Gesicht macht die Nuss, wenn sie geknackt wird? Das Bild zeigt es – und wenn der Spieler dies nachmacht, sollte er sich in die Gefühle der Nuss versetzen.

Nur der gerade aktive Spieler hat die Karte gesehen. Sie wird jetzt mit sechs anderen Karten vermischt, die anschließend aufgedeckt und so rund um das Spielbrett gelegt werden, dass jeder Karte eine Zahl zugewiesen wird. Die Mitspieler müssen nun raten, welche Karte der aktive Spieler mit seinem Gesichtsausdruck darstellen wollte. Die dazugehörige Zahl stellt jeder auf seiner Wählscheibe ein. Anschließend wird geschaut, ob die Mitspieler richtig geraten haben.

Statt mit einem Gesichtsausdruck kann eine Karte auch mit einem Geräusch dargestellt werden. Dabei machen die Mitspieler ihre Augen zu und konzentrieren sich auf das Gehörte. Die Herausforderung lautet, nur die jeweilige Emotion stimmlich nachzuahmen, denn die Geräusche von Gegenständen, das Knacken der Nuss und insbesondere Tierlaute sind verboten. Hier macht die Spielanleitung einen gleichermaßen fatalen wie kuriosen Fehler: In dem angegebenen Beispiel wird „Gebrüll“ als erlaubt bezeichnet, während das „Knurren“ des Löwen verboten ist. Ist das ein Übersetzungsfehler? Einen stolzen Löwen erkennt man bei uns durchaus an seinem Brüllen, während das Knurren eher einem schlecht gelaunten Hund zugeschrieben wird. Aber vielleicht ist das in Litauen oder Griechenland ganz anders – das sind die Länder, aus denen Autor und Verlag kommen.

Die Grundregel des Spiels ist kooperativ. Wenn die Mehrheit der Spieler die Grimasse oder den Laut (manchmal auch beides kombiniert) erkennt, gewinnen wir gemeinsam. Wenn die Mehrheit danebenliegt, gewinnt das Spiel. Während man in anderen kooperativen Spielen oft gegen einen bösen Zauberer oder einen ähnlich unsympathische Figur spielt, bleibt Emojito an dieser Stelle abstrakt. Für das Zählen auf dem Spielbrett darf man unter den Markern Wassermelone, Flip-Flop, Sonnenbrille und so weiter auswählen. Das ist alles andere als übersichtlich, zumal das Zählbrett gerade mal sieben Schritte umfasst. Bei jeder Überrundung wird eine Kartenrückseite als Trophäe an das Team oder das Spiel vergeben und auf den „entsprechenden Trophäenstapel“ gelegt, so die Anleitung. Aber wo ist dieser Stapel? Und woran kann man diese unterscheiden?

Noch unübersichtlicher wird das Spiel, wenn man die kompetitive Regel „Jeder gegen Jeden“ verwendet. Dann drängeln sich bis zu sieben (so viele Leute können mitmachen) Marker auf dem kleinen Spielbrett. Der aktive Spieler kann zwei Punkte pro richtigem Rater, maximal jedoch sechs Punkte bekommen. Wer richtig rät, bekommt drei Punkte. Das mag mathematisch durchdacht sein. Für ein „Partyspiel“, so nennt sich Emojito, ist das aber unbrauchbar. Es gibt sogar noch eine weitere Regel (für ein Teamspiel), dazu kommen drei Schwierigkeitsstufen, eine Variante und eine umfangreich beschriebene Sonderaktion. Das ist schade, denn so ein „Regelkompendium“ hat das Spiel nicht verdient.

Die gute Nachricht lautet: Emojito macht auch dann Spaß, wenn man es bloß mit der Grundregel oder sogar ohne ein Wertungssystem spielt. Und mit den brillant gezeichneten Spielkarten plus den praktischen Wählscheiben ist es für seinen spielerischen Kern gut ausgestattet. Für eine lustige Runde, egal ob mit oder ohne Kinder, ist Emojito empfehlenswert.

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