games we play

My Farm Shop

5 von 6 Punktenvon Rüdiger Dorn

Pegasus Spiele (Redaktion: Stefan Stadler, Thygra Spiele)

ca. 25 €

2 bis 4 SpielerInnen

Schwierigkeit einfach (ab ca. 10 Jahre)

Jahrgang 2021

My Farm Shop ist so ähnlich wie Siedler von Catan. Jede Spielekennerin rollt jetzt mit den Augen. Denn wer sich auskennt würde sagen: Das Spiel ist so ähnlich wie Machi Koro. Denn der Kernmechanismus besteht aus zwei Würfeln, mit denen häufiger die 7 als die 12 geworfen wird. Und das heißt, dass die Spielkarte, die der 7 zugeordnet ist, am häufigsten die angegebene Ressource produziert. Wie bei Machi Koro besorgen wir uns aus der Auslage Spielkarten, die mir mein Einkommen generieren. Aber weil My Farm Shop eben ein Tick größer, bunter und thematischer wirkt, ist der Catan-Vergleich hier nicht völlig falsch.

„Erzeuge Bio-Produkte auf deinem Bauernhof und verkaufe sie gewinnbringend“, heißt es in der Spielanleitung. Folgerichtig produzieren die einen Spielkarten Eier, Honig, Milch und Wolle, während die anderen Karten als Verkaufsstände des zuvor produzierten dienen. Die dort gewonnenen Geldeinkünfte werden sofort auf der Siegpunktleiste abgetragen. Denn einen anderen Zweck hat das Geld nicht, da der Kauf der Spielkarten kostenfrei ist. Pro Runde bekomme ist eine Karte – welche es ist, entscheidet ein dritter Würfel. Alle drei Würfel werden geworfen – und ich kann mir aussuchen, welchen ich verwende, um mir eine von sechs Karten zu nehmen, die in der durchnummerierten Auslage in der Tischmitte liegen. Die beiden restlichen Würfel dienen dann der Aktivierung der Spielkarten – nicht nur bei mir, auch bei meinen Gegnerinnen. Die von mir unmittelbar zuvor genommene Karte wird also nur in dem Fall sofort aktiviert, wenn ich sie auf meinem persönlichen Tableau an den entsprechenden Zahlenslot lege. Dieser Mechanismus, der hier mit dem dritten Würfel geschaffen wird, ist der bemerkenswerte Kern von My Farm Shop und macht das Spiel zu einer Entdeckung.

Die Herausforderung ist es, eine Art „Engine“ zu konstruieren. Wenn ich viel Honig und Wolle produzieren kann, benötige ich Verkaufsstände, die genau diese Waren in möglichst viele Siegpunkte verwandeln. Hier ist strategisches Vorgehen genauso wichtig wie kurzfristiges taktisches Reagieren. Da immer nur nach und nach eine weitere Spielkarte in die Auslage kommt, weiß ich also nie im vorhinein, welche Auswahloptionen mir geboten sind. Da ist derjenige mit einem tragfähigen Plan B am besten aufgestellt, und auch ein gutes Gefühl für das Timing hilft – wann produzieren, wann verkaufen?

Der Umfang der Regel ist moderat und schafft genau den Spagat zwischen Zugänglichkeit, einem recht ungewöhnlichen Mechanismus, einem angemessenen Glückfaktor und einer angenehmen taktischen Tiefe, die für langanhaltende Freude an dem schön gestalteten Spiel sorgt.

© · games we play 2021


games we play Spielebesprechungen seit 1991.
Keine Spieletests, sondern kritische Rezensionen aktueller Brettspiele, Kartenspiele und Gesellschaftsspiele.