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Festung

geht so: 3 PunkteEin Fabelspiel

von Friedemann Friese

2F (Redaktion: Henning Kröpke, Vertrieb: Spiel direkt)

Illustration: Harald Lieske

ca. 13 €

2 bis 5 SpielerInnen (ab besten: 3 bis 5)

Schwierigkeiteinfach (ab ca. 10 Jahre)

Jahrgang 2018

Mit dem fabelhaften Fabelsaft hat 2F vorgemacht, dass ein „sanfter“ Einstieg in die Regeln eines Spiels möglich ist. Denn das ist eine Achillesferse des Brettspiels: Wer wenig Erfahrung mit dem Lesen von Anleitungen hat, tut sich oft sehr schwer. Mit dem Fast Forward-Konzept soll damit Schluss sein – und Festung ist eines von drei Fast-Forward-Spielen, die jetzt erschienen sind.

Ziel ist es, mit Hilfe von Zahlenkarten die nach und nach auftauchenden Festungskarten zu erobern. Dies macht man verdeckt, und die Zahlen bleiben unter der Festung liegen. Wenn der Gegner dieselbe Festungskarte haben möchte, muss er einen höheren Zahlenwert bieten. Wobei er den gegnerischen Wert gar nicht kennt, sondern hoffen muss, wenn er unter die Festung schaut.

Die Spielregeln, und das könnte an sich ein überzeugendes Anleitungskonzept sein, befinden sich auf Spielkarten, die nach und nach hinzukommen. Der Stapel darf nämlich nicht gemischt werden. Oben befinden sich nur diejenigen Karten, bei denen eine sehr einfache Regel ausreicht. Nach jeder Partie kommen fünf weitere Karten hinzu, inklusive gegebenenfalls neuer Regelanweisungen.

Doch leider zündet diese Idee nicht. Wahrscheinlich wäre es doch besser gewesen, die ziemlich einfache Spielanleitung auf ein Blatt Papier zu schreiben. Zusammenhängender Text hat nämlich durchaus Vorteile. Bei Festung funktioniert das Häppchenprinzip jedenfalls nicht, wo einzelne Anweisungen auf den speziellen Anleitungskarten stehen, und andere unmittelbar auf den Spielkarten. Zumal die Gestaltung nicht schön ist. Sich ständig wiederholende Texte auf einzelnen Karten sowie Bleiwüsten ohne ein einzige Symbol hinterlassen keinen guten Eindruck. Zumal manche Sätze unverständlich formuliert sind. Und intuitiv ist die Regel auch nicht, wenn für Verteidiger und Angreifer im Falle einer Niederlage unterschiedliche Details gelten. Da muss man ständig in der Regel nachsuchen, was nun gilt. Aber wo sucht man, wenn es gar kein Anleitungsheft gibt?

Vielleicht könnte man das Spiel retten, wenn diese zusammenhängende Spielanleitung nachgeliefert würde. Aber ob sich das lohnt? Denn so ein spannendes Ablauf bietet Festung nicht, das Spiel ist bestenfalls „nett“. Laut Schachtel dauert eine Partei 15 Minuten. Tatsächlich sind es aber zwischen 2 und 8 Minuten – solange bis die zufällig in den Stapel gemischten Sanduhren auftauchen. Für ein ernstzunehmendes Spiel ist das aber viel zu kurz. Deswegen spielt man auf alle Fälle mehrere Partien hintereinander. Wenn man die Ergebnisse aufschreibt, könnte man mehrere Runden zu einer ausreichend langen Partie verbinden – doch davon steht leider nichts in Spielanleitung.

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