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Fiese Freunde Fette Feten

schön: 5 Punkte von Marcel-André Casasola Merkle und Friedemann Friese

2F

ca. 25 €

bis 6 SpielerInnen

Schwierigkeit mittel (ab ca. 12 Jahre)

Verpackung +

2005

Man merkt förmlich, welchen unglaublichen Spaß Marcel-André Casasola und Friedemann Friese bei der Entwicklung diese Spiels hatten. Es gibt wenige Spiele, die sich so eng an einem Thema bewegen, wie dieser Titel. Hier geht es um das ganze Leben – Pubertät, Sex, Beziehungen und Kinder. Und dazwischen viel Alkohol, Drogen, Krankheitsgeschichten – aber auch Geld, Weisheit und Religiosität.

Mit witzigen Ereignissen wird das Leben beginnend mit der Pubertät durchgespielt. Das Ganze bewegt derart auf des Messers Schneide, dass es manche Mitspieler schon gar nicht mehr lustig finden, sondern nur noch albern. „Ein pubertäres Spiel für pubertierende 13-Jährige“ heißt dann das Urteil. Ich möchte mich dem zwar nicht anschließen. Klar ist aber: so etwas ist nicht wirklich jedermanns Sache.

Zumal der Spielmechanismus einen nicht vom Hocker reißt. Er ist zwar nicht schlecht – aber er folgt natürlich in erster Linie der thematischen Vorgabe. Bedauerlicherweise ist er inkonsistent – auf der einen Seite vergleichsweise gewöhnlich und unoriginell, auf der anderen Seite punktuell so überfrachtet, dass die Erstauflage der Spielregel an der Komplexität des Ablaufs gescheitert ist. Wer nicht über viel Spielerfahrung verfügt und zudem nicht weiß, wie er über das Internet Hilfe bekommt, wird vermutlich scheitern. Fiese Freunde Fette Feten startet mit den Ereigniskarten, die sich auf die Pubertät beziehen. Da gibt es die „Dorfdisko“. Wer diese Karte nimmt, schiebt auf seinem Spielertableau den Marker bei „Alkohol“ um einen Punkt nach oben. Außerdem kriegt er eine „Sex“-Marker. Beim Ereignis „Konfirmation“ geht es bei „Geld“ und „Kirche“ nach oben. Bei „Klassenfahrt“ gewinnt man einen Freund oder eine Freundin. Entweder es ist ein neutraler Personenmarker oder man geht mit einem Mitspieler. Dazu gibt es Handymarker (die bürokratisch „Einklagemarker“ heißen), mit deren Hilfe man sich reichlich kompliziert kennen lernen kann. Dann haben sich zwei Spieler gefunden, die über die Stufen „verliebt, verlobt, verheiratet, geschieden“ die entscheidenden Abschnitte des Lebens gemeinsam meistern können.

Aber es ist wie in der Realität: Beziehungen kommen und gehen. Hier stehen sie im Mittelpunkt des Spiels, sie sorgen für den entscheidenden Spaß. Deshalb sollten am besten fünf oder sechs Leute am Tisch sitzen, damit es genug Handys gibt und sich das Beziehungsgeflecht ordentlich entwickeln kann.
Nach der Pubertät gibt es in mehreren Lebensrunden weitere solche und ähnliche Ereignisse, die dann jedoch versteigert werden. Manchmal kann man auch an Ereigniskarten der Mitspieler partizipieren. So geht „Einen Freund verführen“ nun nicht allein – per Handymarker kann man sich einklinken. Ob hetero- oder homosexueller Sex ist dem Spiel prinzipiell egal – nur wenn dabei ein „Kind“ zu den Resultaten zählt sollte es hetero sein.

Ziel ist es, die – teils widersprüchlichen – Lebensziele auf seinen fünf Handkarten zu erreichen. So bräuchte man für die Lebenszielkarte „Sex, Drugs, Rock’n’Roll“ Erfahrungen in den Bereichen Sex, Drogen, Zigaretten, Alkohol sowie vier Freunde.

Noch macht mir Fiese Freunde Fette Feten viel Spaß. Sicherlich werden irgendwann die Ereignisse bekannt sein, und dann wird der Reiz nachlassen. Leider wird das Spiel wegen der dem leichten Thema unangemessenen Schwierigkeit bei der Regelvermittlung kein großes Publikum erreichen können. Das ist Schade. Denn es lohnt sich, es kennenzulernen.

© Harald Schrapers 2005 - Autor: Harald Schrapers