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The Key
Sabotage im Lucky Lama Land

5 von 6

von Thomas Sing

Haba (Redaktion: Annemarie Wolke, Robin Eckert)

Illustration: Timo Grubing

ca. 20 €

1 bis 4 SpielerInnen (besser: 2 bis 4)

Schwierigkeiteinfach (ab ca. 10 Jahre)

Empfehlungsliste Spiel des Jahres 2021

Das Lucky Lama Land ist ein Vergnügungspark mit Achterbahn, Auto Scooter, Wildwasserbahn und so weiter. Dort ist es zu Fällen von Sabotage gekommen. Passiert ist nichts, die Vorfälle sind rechtzeitig aufgefallen und die Fahrgeschäfte konnten gestoppt werden. Auch ist offenbar klar, wer die Taten begangen hat – aber können wir es gerichtsfest beweisen? Die Beweislage ist schwierig – und das ist jetzt unserer Aufgabe im Spiel The Key, dessen dritte und ausgereifteste Folge im Lucky Lama Land stattfindet.

Cluedo kennt jeder. Aber wer kennt Mastermind oder Superhirn? In diesem sehr alten Spiel versteckte die Mitspielende eine Farbkombination hinter einem Sichtschirm. Und ich versuchte, diese Kombination in mehreren Schritten zu erraten. So ähnlich fühlt sich Sabotage im Lucky Lama Land an, aber hier geht es nicht um Farben, sondern darum, Täter oder Täter, Tatwerkzeug und den Tatort zu ermitteln. Anders als bei Mastermind muss mir aber nicht der Mitspielende die Tipps geben, sondern die stehen auf Spielkarten und wir können im Wettbewerb untereinander die auf dem Tisch verstreuten Karten nehmen. Neun Fälle gibt es im Spiel, die durch eine Farbe unterschieden werden. Auf den Kartenrückseiten kann man jeweils sehen, ob die Karte zum momentan aktiven Fall passt. Es ist zwar komisch, wenn der gleiche Sabotageakt neun Mal von anderen Personen mit anderen Werkzeugen verübt wird. Aber so wird quasi unendlicher Spielspaß garantiert. Denn wenn man alle neun Möglichkeiten durchhat, hat man die Lösung Nummer 1 schon wieder vergessen.

Auf der Rückseite der Karten erkennt man nicht nur die Farbe des Falls, sondern auch, zu welcher Kategorie der Tipp gehört, der einem präsentiert wird, beispielsweise ein Hinweis zum Täter oder zum Werkzeug. So steht auf den Kartentexten zum Beispiel: eine Person mit Tatoo sabotierte am 8. Mai, die Achterbahn wurde nicht mit der Zange sabotiert. Außerdem befindet sich auf der Kartenrückseite der Punktewert eines Tipps. 2 heißt: Das ist ein ziemlich grober Hinweis. Wenn ich ihn am Anfang nehme, kann ich zunächst gar nichts mit dem abwaschbaren Filzstift auf dem toll gestalteten Sichtschirm durchstreichen oder umkreisen. Sondern man müsste davon mehrere Tipps sammeln, um eine eindeutige Spur zu finden. Tipps mit dem Wert 4 sind hingegen deutlich klarer. Sie sind aber auch schwieriger und zeitraubender auszuwerten. Da braucht man dann eine Ermittlungsakte, in der man genau nachschauen und überlegen muss, was einem der Fußabdruck oder die Schnipsel zu den Eintrittkarten diverser Park-Attraktionen sagen. Außerdem gilt: 2, 3 oder 4 sind Strafpunkte. Am Ende gewinnt, wer den Fall mit den insgesamt am wenigsten wertvollen Hinweisen gelöst hat. Es kommt also nicht, wie es zunächst scheint, auf Geschwindigkeit an. Sondern Sorgfalt ist wichtiger – der schnellsten Spielerin werden zumeist gerade mal zwei Punkte erlassen.

Thomas Sing (Autor von Die Crew) hat im April letzten Jahres mit Der Raub in der Cliffrock Villa seinen The Key-Erstling vorgelegt. Das Lucky Lama Land ist nun der dritte Fall, und er gefällt mir noch einen Tick besser. Während man sich in der Cliffrock Villa etwas abseitig um das Fluchtfahrzeug des Täters kümmern musste, konzentriert sich Sabotage im Lucky Lama Land auf den klassischen Cluedo-Dreiklang: Täter, Werkzeug und Ort. Hier gibt es in der Ermittlungsakte einen Plan des Freizeitparks, der für verschiedene Hinweisarten benötigt wird, und uns einen schönen Überblick zu den Orten gibt.

Lucky Lama Land ist von den mittlerweile drei vorliegenden The Key-Spielen thematisch am stimmigsten umgesetzt, was das Verständnis erleichtert. Denn The Key hat durchaus eine gewisse Einstiegshürde, denn in allen drei Fällen gibt es Hinweise, die zunächst schwierig zu interpretieren sind. Die an den Fahrgeschäften gefundenen spiegelverkehrten Fußabdrücke sind trotz eines kleinen Spiegels nicht leicht auseinanderzuhalten. Und für die Handyfotos von Parkbesuchern muss man sich genau in die Perspektive hineindenken und die Blickrichtung millimetergenau nachvollziehen. Sobald man das und die Kombinationsmöglichkeiten durchschaut hat, sind auch ältere Kinder sehr gerne dabei. Allerdings schneiden Erwachsene tendenziell besser ab, wenn sie ein entsprechendes Talent zum Kombinieren der Indizien besitzen. Wem diese Art Knobelei nicht liegt, hat es hingegen überhaupt nicht leicht.

Die erste Partie ist insbesondere deshalb schwierig, weil man hinter seinem Sichtschirm abgeschirmt von den anderen werkelt, von denen man gelegentlich ein leises Stöhnen oder ein unterdrücktes Jubeln mitbekommt. Hilfe von den Mitspielenden, die normalerweise gerne bereit sind, zu unterstützen, um das Spiel in Gang zu bringen, kann man nicht erwarten. Denn niemand sieht, was ich mache. Doch den Spaß an The Key beeinträchtigt das nicht. Obwohl der eher unbedeutende Bonus, den die schnellste Spielerin bekommt, nur für minimalen Wettbewerbsdruck sorgt, fühlt sich das Spiel wie ein kribbelndes Wettrennen an – ein Wettbewerb um die besten Ermittlungsansätze.

Brettspielpodcast | The Key: Drei Kriminalfälle als Knobelaufgabe »

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