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Kyoto

5 von 6Money makes the World go down

von Sabine Harrer und Johannes Krenner

Deep Print Games / Pegasus Spiele (Redaktion: Viktor Kobilke, Lizenz: White Castle)

Illustration: Christian Opperer

ca. 25 €

3 bis 6 SpielerInnen (besser: 5 bis 6)

Schwierigkeit einfach (ab ca. 10 Jahre)

Jahrgang 2021

1997 wurden auf der Weltklimakonferenz in Kyōto, die wir hier nachspielen, erstmals verbindliche Ziele für die Treibhausgasreduktion festgelegt. „Satirisch entlarvend“ sei das Spiel, ist auf der Schachtelrückseite zu lesen. Was aber gar nicht stimmt, denn wir spüren ganz schnell den realistischen Ansatz des Spiels: Wir schlüpfen nämlich selbst in die Rolle von Australien, China, Kanada, Russland, USA oder EU.

Reihum übernimmt das ein Land nach dem anderen den Konfererenzvorsitz, zieht das niedliche Rednerpult mit dem Mikrofon zu sich und weist auf die Studie zu den Folgen des Schmelzens der Polkappen hin. Dies mach sofortiges Handeln notwendig, lautet der Appell. Deshalb müssen alle Staaten etwas dazu beitragen, 200 Tonnen CO₂ einzusparen und das Vier-Millionen-Finanzierungsziel zu erreichen. Jetzt haben wir 90 Sekunden Zeit, uns zu einigen, indem jeder einen Beitrag leistet, und wir auf die anderen einreden, mitzumachen. Wir legen Geld in die Tischmitte oder Wohlstandskarten: beispielsweise Ölbohrinseln oder Aludosen, deren Vermeidung je 80 Tonnen Treibhausgas einspart.

Bedauerlicherweise beschränkt sich Kyoto aber nicht auf den eigentlichen Kern der Klimaverhandlungen, sondern schielt zu sehr auf die Kür des Spielgewinners. Den soll es natürlich geben, schließlich ist das kein kooperatives Wohlfühlspiel. Am Ende wird diejenige Spielerin gewinnen, die ihren Wohlstand und ihre Interessen am besten bewahren konnte, ohne dass die Umwelt komplett den Bach runtergeht. Und was passiert, wenn genau das geschehen ist? Dann hat der Spieler mit den zweitmeisten Punkten gewonnen. Das wäre eine pfiffige Lösung, wenn damit nicht gleichzeitig suggeriert würde, man könne halbwegs gezielt auf den zweiten Platz spielen. Leider ist die Schlusswertung viel zu kleinteilig, wozu insbesondere die zufällig verteilten Agendakarten sorgen, die wir verdeckt auf der Hand halten. Auch die selten zielführende Möglichkeit, dass sich Länder untereinander bestechen, hätten man besser aus der Regel gestrichen. Das trübt den Gesamteindruck einer im Grunde grandiosen Spielidee.

Eine ausführliche Besprechung von Kyoto befindet sich im Magazin spielbox 2/2021.



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