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Las Vegas

schön: 5 Punkte games we play Tip: Das TOPspielZocken bis zum letzten Würfel

von Rüdiger Dorn

Alea Ravensburger (Redaktion: Stefan Brück)
(Vertrieb: Heidelberger Spieleverlag)

ca. 25 € 

2 bis 4 SpielerInnen

Schwierigkeitsehr einfach (ab ca. 8 Jahre)

Neuauflage 2013
(Originaltitel: Vegas)

nominiert für das
Spiel des Jahres 2012

8. Platz
Deutscher Spiele Preis 2012

Kaum war Vegas für das Spiel des Jahres nominiert, hieß es schon „Kommando zurück“. Der Name stimmt gar nicht, ließ Ravensburger verlauten. Las Vegas heißt das Spiel. Wobei nicht der Blick in den Atlas für die korrigierte Bezeichnung verantwortlich war, sondern namensrechtliche Gründe gaben den Ausschlag. Der Begriff Vegas erwies sich als ein urheberrechtlich geschützter Titel. Dem Erfolg des Spiels tat das keinen Abbruch. Las Vegas war zum Ende des Weihnachtsgeschäfts restlos ausverkauft, so dass das Alea-Spiel bis in den Februar 2013 hinein nicht lieferbar war.

„Alea“ heißt übrigens Würfel auf Latein. Somit ist die Spielemarke des Ravensburger Verlages sozusagen zu ihrem eigentlichen Ursprung zurückgekehrt. Wobei sich das als widersprüchlich darstellt. Denn Alea ist ein Projekt, das für besondere und anspruchsvollere Qualitätsspiele steht. Es ist eine Marke, mit denen Ravensburger demonstriert, nicht nur auf den Erfolg des Banalen zu schielen. Manchmal wirkte es fast so, als ob sich Ravensburger mit Alea einen Non-Profit-Betrieb erlaubt, der nur für das Schöne und Gute zuständig ist. Denn großen ökonomischen Profit bedeutete Alea nie. Ravensburger hat vor Jahren sogar den Vertrieb an den Heidelberger Spieleverlag abgegeben, was beinahe an eine Verzweiflungstat erinnert hatte.

Würfel? Die sind bei der feinen Alea-Klientel nur dann hoch angesehen, wenn sie das Markenlogo zieren oder in komplexen Konstrukten wie den Burgen von Burgund vorkommen. Manchem Alea-Freund wird es gruseln, wenn er sieht, dass Vegas auf der neunstufigen Anspruchsskala mit „null“ eingestuft wird.

Doch alle, die es wagen, zuzugreifen, sind überaus angetan. Wie schafft es ein Spiel, mit derart kurzen Regeln soviel Überraschung aus dem klassischen Sechsseiter herauszuholen?

Die Spielablauf ist tatsächlich in zwei Sätzen erzählt. Man würfelt und entscheidet sich für eine der geworfenen Zahlen. Alle Würfel mit dieser Zahl werden auf das Casino mit der entsprechenden Nummer gelegt. Das war’s.

Und wie wird gewertet, wenn alle Spieler reihum ihre Würfel los geworden sind? Das ist eigentlich selbsterklärend. Wer die meisten Würfel in einem Casino hat, bekommt die daneben liegende Spielkarte mit der beeindruckend hohen Dollarsumme.

Jetzt fehlt noch ein Satz, der entscheidende: „Spieler mit gleich vielen Würfeln auf einem Casino gehen leer aus.“ Das sorgt für Emotionen. „Patt“ wird zum „Hass-Wort“ in Las Vegas. Denn gefühlt sind es immer die eigenen Würfel, die so blöd fallen, dass es am Ende wieder nur zum vernichtenden Unentschieden reicht. Und scheinbar sind es immer andere, die als lachende Dritte vom Ausscheiden des beiden Führenden profitieren. Um das Spiel auf die Spitze zu treiben, nimmt sich jeder noch zwei neutrale weiße Würfel dazu, die für zusätzlich Patt-Situationen sorgen. Mit dieser Regelvariante ist das Spiel perfekt, kann dann aber nur mit maximal vier Leuten gespielt werden.

Egal was man macht: Immer direkt große Würfelmengen einsetzen, oder nur ein oder zwei Würfel investieren, damit man später noch reagieren kann, wenn andere schon ausgeschieden sind – die Würfel sind teuflisch.

© Harald Schrapers · games we play 2012–13