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MicroMacro
Crime City

5 von 6 Punktengames we play Tip: Das TOPspielvon Johannes Sich

Edition Spielwiese / Pegasus Spiele

Illustration: Johannes Sich, Daniel Goll, Tobias Jochinke (Hard Boiled Games)

ca. 25 €

1 bis 4 SpielerInnen (besser: 2 bis 3)

Schwierigkeit sehr einfach (ab ca. 8 Jahre)

Spiel des Jahres 2021

MicroMacro Crime City ist ein großes Wimmelbild. Es erinnert an die Kinderbücher von Ali Mitgutsch und Rotraut Susanne Berner. In deren Wimmelbüchern gibt es kleine Geschichten, die einzelne Personen erleben. Da blättert man aber um, um den Fortgang der Handlung zu erleben. Das Crime City-Bild ist im Unterschied dazu nicht nur riesig groß, sondern umfasst alle Zeitebenen gleichzeitig. „Das Spiel sollte ein riesiges detailreiches Bild mit kleinsten Informationen an zahlreichen Orten sein, aus denen Rätsel entstehen, die man lösen muss“, erzählte mir Autor und Illustrator Johannes Sich, den ich für die spielbox interviewte. „Daraus ist die Idee entstanden, dass eine Geschichte in einer zeitversetzten Aufeinanderfolge erzählt wird.“

16 Kriminalfälle befinden sich in der Schachtel, alle werden auf dem einem Plakat gespielt. Wer einen Fall lösen möchte, sucht zumeist erst einmal das getötete Opfer auf dem Bild und schaut anschließend rückwärts: Was ist vor dem Mord passiert? Aus welcher Richtung kam das Opfer, was tat es vorher, mit wem hat es sich getroffen? Das könnte uns auf das Mordmotiv bringen und damit auch auf die Spur des Mörders oder der Mörderin. Spielkarten sorgen dafür, dass man sich die einzelnen Fälle schrittweise erarbeitet. Man hangelt sich in diesem kooperativen Spiel von Frage zu Frage.

„Ich hatte immer schon den Wunsch, mal ein Detektivspiel zu machen, bei dem man wirklich Kriminalfälle lösen muss“, erläutert Sich die Grundidee. „Ich mag Escape Rooms und Exit-Spiele – aber da löst man oft Knobelrätsel, die mit der Story letztlich nicht besonders viel zu tun haben. Ich wollte ein storylastiges Spiel machen, in dem man sich als Detektiv fühlt, der wirklich den Fall lösen muss.“ Denn als Johannes Sich gemeinsam mit den Mitillustratoren Tobias Jochinke und Daniel Goll mit der Entwicklung von MicroMacro begann, habe es den heutigen „Boom“ bei den Detektivspielen noch nicht gegeben..

Die Faszination dieses Spiels ist immens. Dass es so ungewöhnlich ist, mit einem derart überdimensionierten Stadtplan zu arbeiten, trägt dazu erheblich bei. Fast DIN A0 ist das „Spielbrett“ groß. „Das geht auch nicht anders, wenn man längere Geschichten erzählt“, so Sich. „Da muss jemand von rechts unten nach links oben durch die Stadt gehen können.“

Auf den Stadtplan passiert unglaublich viel, denn es gibt ungezählte winzige Zeichnungen, die die Menschen dieser Stadt brillant auf den Punkt bringen. Man muss wirklich „durch die Stadt gehen“, denn ein Gesamtüberblick aus der Vogelperspektive hilft nicht wirklich weiter. Und so rückt man extrem nah an das Bild und seine Details heran, optimalerweise so, dass man nicht „über Kopf“ auf den Plan blicken muss.

Das beste Erlebnis bietet MicroMacro, wenn man zu zweit spielt. Wer mit einem Kind spielt – wenn es alt genug ist und keine Angst vor recht abstrakt dargestellten, aber gleichwohl hartgesottenen Mordfällen hat – kann es auch zu dritt probieren, weil sich Erwachsene dann auf eine gewisse Arbeitsteilung verständigen. Wenn Tochter oder Sohn den Gesamtüberblick hat, können sich die Eltern auf die östlichen beziehungsweise westlichen Stadtteile beschränken.

© · games we play 2021

Das Interview mit Johannes Sich ist im Magazin spielbox 1/2021 zu lesen.



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