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Nidavellir

5 von 6von Serge Laget

Pegasus Spiele (Redaktion: Martin Zeeb, Lizenz: Blackrock Games, Grrre Games)

Illustration: Jean-Marie Minguez

ca. 35 €

2 bis 5 SpielerInnen (besser: 3 bis 5)

Schwierigkeit einfach (ab ca. 10 Jahre)

Jahrgang 2021

Schwarz-weiß scheint ein Trend bei der grafischen Gestaltung zu sein. Die SPD geht mit Schwarz-weiß-Fotos in den Bundestagswahlkampf, und die Nidavellir-Gestaltung setzt ebenfalls auf das Stilmittel. Ergänzt wird das grau abgestufte Bild immer nur durch eine weitere Farbe. Bei der SPD ist es das traditionelle Rot. Bei Nidavellir ist es ebenfalls je eine Farbe pro Spielkarte, die es aber in fünf unterschiedliche Farben gibt. So wie die SPD für Verlässlichkeit in ihrer Regierungsarbeit steht, basiert die Grundidee von Nidavellir auf verlässlichen Mustern, was auf alle Fälle den Einstieg in das Spiel erleichtert.

Ich muss Spielkarten sammeln. Es lohnt sich, wenn ich mich auf eine Farbe konzentriere, bei der ein Logarithmus oder eine andere Operation dafür sorgt, dass jede zusätzliche Karte überdurchschnittlich viele Siegpunkte abwirft. Damit ich jetzt nicht ausschließlich grüne Spielkarten, also „Jäger“ sammele, gibt es eine Belohnung für Diversität. Immer dann, wenn ich Karten in allen fünf Farben zusammenhabe, gibt es als Belohnung eine besonders starke Zusatzkarte, einen „Helden“.

Die Spielkarten werden versteigert, schnell und unkompliziert. Drei Kartenreihen werden offen auf den Tisch gelegt. Wir haben fünf Münz-Plättchen auf der Hand, und legen gleichzeitig je eine davon verdeckt an die drei Kartenreihen. Wer das höchste Gebot abgibt, darf zuerst eine der Karten aussuchen. Wer am wenigsten bietet, muss nehmen, was übrig bleibt.

Bis hierhin mag man den Eindruck haben, dass der Spielablauf so grau in grau ist wie die Kartenabbildungen. Doch der Autor hat sich einen kräftigen Farbtupfer ausgedacht, der für Glanz sorgt. Denn es gibt ein Aufwertungsversprechen für die Münzen. Immer wenn ich das Geldstück mit dem Wert „0“ als Gebot einsetzte, erhalte ich ein neues Münz-Plättchen: Der Wert der vierten und fünften Münze – die beiden, die ich in der aktuellen Runde nicht verwende – wird addiert. Und ich darf mir aus der auffälligen Münzhalterung die Goldmünze mit genau diesem Nennwert nehmen. Falls diese schon bei einer Mitspielerin liegt, kriege ich das nächstteurere Geldstück.

Der Zufall der Kartenauslage, der Bluff beim Ersteigern und die taktisch-strategischen Überlegungen, wie ich an viele Punkte komme, sorgen bei Nidavellir zu einem runden Spielablauf. Dieser gute Gesamteindruck wird ein wenig von der Schlussabrechnung getrübt. Es gibt zwar selbst in der Schlussrunde keine große Downtime, denn die mathematisch bedingten Entscheidungen bleiben überschaubar. Dass aber am Ende Siegpunktsummen oberhalb von 300 möglich sind, passt nicht wirklich zu diesem im Grunde unkomplizierten Kartenspiel.

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