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á la carte KartenspielpreisOhne Furcht
und Adel

schön: 5 Punktevon Bruno Faidutti

Hans im Glück (Vertrieb: Schmidt)

ca. 11 €

bis 7 SpielerInnen

Schwierigkeitmittel (ab ca. 12 Jahre)

Verpackung --

Nominiert für das
Spiel des Jahres 2000

6. Platz Deutscher Spiele Preis 2000

bestes Kartenspiel 2000

Zuerst tritt der Meuchler in Aktion. Er sucht sich Einen der Anderen aus, den er meucheln möchte. Egal wen es trifft – die Schadenfreude ich bei diesem Spiel zumeist recht groß. Manchmal trifft der Meuchelmord auch niemanden, und dann ist der Meuchler der Gekniffene.

Die SpielerInnen nehmen in jeder Runde einen neuen Charakter an. Irgendjemand ist Meuchler, die Anderen sind Händler, Baumeister oder sie suchen sich einen der anderen Charaktere aus. Acht verschiedene Charakterkarten sind im Spiel. Nachdem eine Karte verdeckt aussortiert wurde und – je nach Spielerzahl – weitere Karten offen abgelegt werden, darf sich jede SpielerIn einen Charakter aussuchen. Das geschieht geheim. Da am Ende auch noch eine weitere Karte verdeckt abgelegt wird, weiß tatsächlich niemand, welche Charaktere die MitspielerInnen angenommen haben. Und so sticht das Messer des Meuchlers gelegentlich auch mal ins Leere.

Soweit wirkt dieser Kartenspielmechanismus zwar recht originell, er ist jedoch nicht neu: Er ist von Verräter, das als bestes Kartenspiel 1999 ausgezeichnet wurde, bekannt, und dessen Autor hat die Genehmigung erteilt, diesen Verteilmechnismus auch für Ohne Furcht und Adel zu verwenden. Ansonsten gibt es aber keine weiteren Ähnlichkeiten zwischen den beiden Spielen.

Ziel von Ohne Furcht und Adel ist es, Bauwerke zu errichten. Die Kosten eines Bauwerkes stehen auf den jeweiligen Spielkarten, und die Kosten entsprechen den Siegpunkten, die einem ein Bauwerk einbringt.

Die SpielerInnen beginnen mit vier Bauwerkkarten auf der Hand und zwei Goldmünzen. In jeder Runde ziehen sie entweder eine weitere Karte oder sie kriegen zwei Münzen. Anschließend kann eine Bauwerkkarte ausgelegt werden, wenn die Münzen zur Bezahlung vorhanden sind. Und wenn jemand acht Bauwerke ausgelegt hat, ist das Spiel zu Ende. So einfach ist das Grundprinzip von Ohne Furcht und Adel.

Damit es aber nicht langweilig wird, setzen die SpielerInnen auch noch die besondere Fähigkeit ihres für diese Runde gewählten Charakters ein. Der Meuchler meuchelt, der Dieb klaut einem anderen Charakter alle Goldmünzen, der König ist Startspieler, der Söldner kann gegnerische Bauwerke zerstören und so weiter.

Ohne Furcht und Adel ist ein erstklassiges Kartenspiel mit sehr eingängigen Regeln, einem lebendigen Ablauf und bildschön gezeichneten Karten. Manch andere Spielekritiker halten es sogar für noch besser, so etwa das Spiel des Jahres-Jurymitglied Edwin Ruschitzka. "Ohne Furcht und Adel ist ein faszinierendes Spiel und der Beleg dafür, welch gewaltiger Tiefgang mit einem Päckchen Karten zu erzielen ist", schreibt er in der spielbox. Da ist es nicht verwunderlich, dass dieses Spiel des französischen Soziologiedozenten Bruno Faidutti mit einer Nominierung für das Spiel des Jahres eine – für eine Kartenspiel – ganz außergewöhnlich hohe Auszeichnung erhalten hat. Ob es mit den besten Brettspielen des Jahrgangs, und da sind einige zu nennen, uneigeschränkt mithalten kann, ist zu bezweifeln – kein Zweifel besteht jedoch daran, verdient als bestes Kartenspiel 2000 ausgezeichnet worden zu sein. 

Immerhin ist das Spiel auch fünf Jahre später noch nicht vergessen. Die dunklen Lande heißte eine Erweiterung, die Hans im Glück dem Spiel spendiert hat. Obwohl sich da schon die Frage stellt, ob OFuA nicht eigentlich schon genug Abwechslung bietet. Da geraten Die dunklen Lande leicht in den Verdacht der Überfrachtung.

[ brettspielwelt.de: Ohne Furcht und Adel online spielen ]

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