games we play

San Marco

nett: 4 Punktevon Alan R. Moon und Aaron Weissblum

Ravensburger

ca. 27 Euro

- nicht mehr lieferbar -

bis 4 SpielerInnen

Schwierigkeit einfach (ab ca. 10 Jahre)

Verpackung -

Auswahlliste Spiel des Jahres 2001

7. Platz Deutscher Spiele Preis 2001

„El Canal Grande“ titelt die Fachzeitschrift Fairplay: tatsächlich erinnert San Marco sowohl in Ausstattung mit den kleinen würfelförmigen Hölzchen als auch im Spielablauf an El Grande, Spiel des Jahres 1996. San Marco ist ein Spiel, in dem es um Mehrheiten in bestimmten Gebieten geht – ein Spielprinzip, das bei dem gleichzeitig erschienenen Moon/Weissblum-Titel Capitol die Fairplay zur Feststellung treibt, dass es „zuviel Ähnliches“ gebe. Da müsse man sich fragen, ob etwas dann „genau das Spiel ist, auf das wir gewartet haben“.

Doch bevor San Marco derart abqualifiziert wird, sollten wir es genauer betrachten. Denn neben spieltechnisch Altbekanntem hat es einen äußerst originellen Kartenverteilmechanismus zu bieten, den Spiel des Jahres-Jurymitglied Wieland Herold als ein Kuchenprinzip vorstellt. Ein Kind bekommt das Kuchenmesser und muss den Rest der Torte möglichst gerecht aufteilen. Damit dies klappt, darf sich dieses Kind erst als letztes das übrig gebliebene Stück aussuchen.

Ganz ähnlich ist es bei San Marco. Eine SpielerIn bekommt einige sehr unterschiedlich wirkende Spielkarten und muss diese in verschiedene Stapel aufteilen. Die MitspielerInnen entscheiden sich dann für jeweils einen Kartenstapel. Für die SpielerIn, die die Karten aufgeteilt hat, bleibt dann der letzte noch übrig.

So originell dieses Spielprinzip ist – es ist unglaublich kompliziert. Wer halbwegs sorgfältig die Karten aufteilen möchte, verlangsamt den Spielablauf oft erheblich. Denn die Karten sind sehr unterschiedlich. Es gibt Karten, mit denen die würfelförmigen Hölzchen – Adelige – in die Gebiete gebracht werden. Es gibt Karten, mit denen man Brücken zwischen den Stadtvierteln bauen kann, um über sie Adelige wandern zu lassen. Bei einer Dogenkarte wird in einem Viertel gewertet. Und mit den negativ wirkenden Limitkarten kann für die SpielerIn die Runde beendet werden.

Bis man die Wirkungen der Karten für einen selbst durchgerechnet hat, vergeht einige Zeit. Wenn man dann noch überlegen muss, welche Karten in welcher Konstellation für einen übrig bleiben würden, dauert es noch länger. Außerdem muss noch darauf geachtet werden, dass nicht eine der MitspielerInnen übermäßig von der Kartenverteilung profitieren würde. Das Ganze könnte für manche SpielerInnen eine gewisse Langeweile bedeuten, auch ich möchte diese Empfindung für mich nicht verhehlen. Andere SpielerInnen sind da geduldiger. Wieland Herold meint dagegen, dass die venezianische Kanallandschaft die Mehrheit der Mitspieler schell in ihren Bann ziehen würde. Er lobt in der spielbox die „Tiefe“ von San Marco und stellt zudem fest, dass Spiele „nicht alle originär“ sein müssten, um beim Publikum anzukommen.

Auf den Essener Spieltagen 2002 kam dann das San Marco-Kartenspiel auf den Markt. Es heißt Canal Grande, ist ein Zwei-Personen-Spiel und bügelt viele der Kritikpunkte am Mehr-Personen-Brettspiel aus.

© games we play 2001-03 Autor: Harald Schrapers

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Stand: 17.5.03