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Senators

4 von 6 Punkten von Hait Tahta und Ricki Tahta

Ferti (Vertrieb: Heidelberger Spieleverlag)

Illustration: Pascal Quidault

ca. 25 €

3 bis 5 SpielerInnen

Schwierigkeit einfach (ab ca. 10 Jahre)

Jahrgang 2019

Wir starten mit jeweils fünf Senatoren, sie sind die Siegpunkte, die wir auf der Leiste des kleinen Spielbretts abmarkieren. Ansonsten diesen dient dieses viergeteilte Brett der Versteigerung der Ressourcenkarten, die nach Wert sortiert in drei Stapel bereitliegen. Im vierten Stapel befinden sich die besonders teuren Textkarten.

Von jedem Stapel decke ich die oberste Karte auf. Mein linker Nachbar kann nun pro Karte einen Marker auf die dazu gehörige Zahlenskala legen, um anzuzeigen, dass er diese für entsprechend viele Münzen aus seinem Startkapital erwerben möchte. Reihum können nun die weiteren Mitspieler ihren Marker auf eine höhere Ziffer legen, falls sie überbieten möchten. Dann ist diese eine Versteigerungsrunde beendet, ohne dass ich selbst ein Gebot abgeben durfte. Ich darf nämlich für jede Karte einzeln entscheiden: Lasse ich meinem Gegner die Karte, die er haben möchte? Dann bekomme ich den gebotenen Betrag. Oder möchte ich die Ressource selbst haben? Dann gebe ich dem Mitspieler das Geld.

Geschäfte laufen hier an der Bank vorbei – und machen das Spiel unmittelbarer. Ich brauche die olivengrüne 5? Aber gönne ich dem Gegner die 5 Münzen, die ich ihm zahlen müsste? Noch weniger gönne ich ihm die Karte. Seine drei Starthandkarten kann ich zwar nicht sehen, aber die später ersteigerten liegen offen auf dem Tisch.

Als aktiver Spieler kann ich entscheiden, auf die Durchführung einer Versteigerungsrunde zu verzichten und darf „erpressen“. Ich möchte die 8er-Getreide-Karte des Nachbarn und biete ihm sechs Münzen. Ein Angebot, dass er nicht wirklich ablehnen kann. Denn wenn er es tut, muss er mich mit demselben Betrag entschädigen.

Wer sowohl auf Versteigerung als auch aufs Erpressen verzichtet, möchte einlösen. Drei Karten einer Farbe, also Fleisch, Oliven, Eisen und so weiter, oder einer Zahl sind ein Drilling. Den lege ich ab und erhalte Geld in Höhe des Werts der Karten. Falls ein farbengleicher Drilling aus aufeinanderfolgenden Ziffern besteht (Straße), gibt’s 15 Bonusmünzen. Diese Einnahmen lege ich entweder in die Kampfkasse hinter meinen Sichtschirm, um für die künftigen Runden gewappnet zu sein. Oder ich kaufe mir siegentscheidende Senatoren – pro zehn Münzen geht es auf der Punkteleiste einen Schritt nach vorn. Wenn ich knapp bei Kasse bin, kann ich einen Senator auch zurückverkaufen. Leider bekomme ich dafür aber nur halb so viel wie zuvor investiert: fünf Münzen.

Senators ist ein emotionales Spiel. Das ist sehr oft ein Qualitätsmerkmal. Aber ein Blick auf die Art der Emotion lohnt sich. Denn es überwiegt weder Spaß noch Freude, sondern Ärger und Frust. Deswegen reicht es vielen Leuten bereits nach einer Partie. Dass ist schade, denn mit klugem Timing kann man durchaus Möglichkeiten zu finden, dieses raffinierte Spiel nach und nach besser zu beherrschen und vielleicht auch Gefallen zu finden.

Vorausgesetzt, das Spiel fände ein gutes Ende. Tut es aber nichts. Denn es endet in einem fast willkürlich erscheinenden Finale. Sobald die vierte von fünf „Krieg“-Karten aufgedeckt wird, ist Schluss. Das kann nach der Standardregel ständig passieren, eine kleine Regelvariante erlaubt es, den Zeitpunkt in die zweite Spielhälfte zu legen.

Spielende bedeute: sofort und gnadenlos. Der Mitspieler mit den meisten Senatoren gewinnt. Egal wie viel Geld ich noch habe, egal wie viele Ressourcenkarten ich gesammelt habe. Ob ich sie im nächsten Zug einlösen und die Spitze erobern hätte können, oder ob ich kurz zuvor noch vorne lag – spielt keine Rolle. Alles ist weg. Nur die Momentaufnahme zählt.

Eine ausführliche Besprechung von Senators finden Sie im Magazin spielbox 5/2019.


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