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Trans Europa

5 von 6 Punkten+ Trans America

von Franz-Benno Delonge

Ravensburger (Redaktion: Stefan Brück)

Illustration: Franz Vohwinkel.

ca. 29 €

2 bis 6 SpielerInnen (am besten: 3 bis 6)

Schwierigkeit einfach (ab ca. 10 Jahre)

überarbeitete Neuauflage 2019

» ORIGINALAUSGABEN TRANS AMERICA UND TRANS EUROPA WINNING MOVE

Nominiert für das Spiel des Jahres 2002 (als Trans America)

2. Platz Deutscher Spiele Preis 2002 (als Trans America)

Trans America und TransEuropa sind Überraschungsspiele. Wer das Spiel sieht, denkt: Wie unoriginell – auf das x-te Eisenbahnspiel hat nun wirklich keiner gewartet. Und ein Blick auf die Spielregel verheißt eher Langeweile. Denn die Anleitung umfasst nur ein paar wenige Absätze.

Doch schon nach wenigen Spielzügen entpuppt es sich als ein ungemein spannendes Spiel. Es ist ein Wettrennen. Wer schließt die fünf Städte, die auf seinen Spielkarten stehen, zuerst an das Eisenbahnnetz an? Wer dabei wohin fahren möchte, bleibt für die MitspielerInnen unbekannt. Denn die Karten werden verdeckt gehalten.

In jeder Runde darf man zwei Schienen auf den mit einem dreieckigen Raster überzogenen Spielplan legen. Wer eine Fluß oder ein Gebirge überqueren möchte, darf nur ein Schienenstück verbauen. Damit ist die Spielregel nahezu vollständig nacherzählt. So einfach ist das. Sobald die fünf Städte einer SpielerIn miteinander verbunden sind, ruft sich diese zur SiegerIn aus. Den MitspielerInnen werden Minuspunkte auf einer Art „inverser Kramerleiste“ abmarkiert. Und dann geht es in eine neue Runde.

Doch was so einfach ist, ist gleichzeitig auch taktisch interessant. Denn keine SpielerIn baut allein. Früher oder später verbinden sich die einzelnen Netze zu gemeinsamen, die dann auch gemeinsam „befahren“ werden. Dabei stellt sich immer wieder die Frage, wann ich mein Netz an das der MitspielerIn anschließe. Ich will, dass meine GegnerIn möglichst viel baut, was ich anschließend nutzen kann. Umgekehrt möchte ich vermeiden, dass andere von meinen Trassenbauten profitieren. Dabei kann die Wahl des Startortes recht wichtig sein.

Aber letztlich spielt das Glück eine erhebliche Rolle. Wichtig ist, dass die fünf zufällig gezogenen Städte günstig liegen. Dadurch, dass farbige Kartenrückseiten sicher stellen, dass die fünf Städte in fünf verschiedenen Regionen der USA liegen, sind die Orte zwar über den gesamten Plan verteilt. Trotzdem gibt es dabei mehr oder weniger abseitig gelegene Zielpunkte.

Ungewöhnlich ist der Weg, den dieses Spiel gegangen ist. Eigentlich ist Deutschland der mit Abstand größte Markt für Autoren-Brettspiele. Doch längst verstorbene Franz-Benno Delonge hatte das Spiel unter dem Namen Iron Road zunächst in den USA herausgebracht, bei dem auf Eisenbahnspiele spezialisierten Winsome-Verlag. Erst anschließen und erstklassig redaktionell bearbeitet ist dieses Spiel dann als Trans America bei Winning Moves erschienen.

„Dieses bescheidene, schnell voranschreitende Eisenbahnspiel hat die selbe Art von Leichtigkeit, Klarheit und Eleganz wie Carcassonne“, schrieb der französische Spieleautor und -kritiker Bruno Faidutti. Obwohl Trans America vom Ablauf her völlig unterschiedlich sei, verbreite es einen ähnlichen Reiz. Trans America habe keine neuen Mechanismen, die Taktik sei simpel und der Glückfaktor höher als es anfangs scheine – aber das Spiel sei leicht zu lernen und zu spielen und biete mehr sofortiges Vergnügen, als die meisten schwereren Spiele.

Bruno Faidutti hat dies treffend beschrieben. Auch ich kann mich dem Reiz dieses Spiels nicht entziehen. Für eine 30-Minuten-Partie sind die MitspielerInnen schnell gefunden und keine wird enttäuscht sein. Trans America ist „quadratisch, praktisch, gut“.

Trans Europa, drei Jahre später erschienen, war quasi das identische Spiel. Hier gibt es ein paar Fährverbindungen, die aber genauso einfach zu befahren sind, wie die Gebirgsstrecken. In der bei Ravensburger erschienenen Neuausgabe steht die Europa-Version im Mittelpunkt, während das US-Original in die Fußnote gerutscht ist.

[ brettspielwelt.de: Trans America als Online-Spiel ]

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