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Yangtze

schön: 5 Punktevon Reiner Knizia

Piatnik

ca. 29 €

2 bis 4 SpielerInnen

Schwierigkeiteinfach (ab ca. 10 Jahre)

2017

Grob gesagt gibt es zwei Kategorien von Knizia-Spielen. Lockere und verspielte Abenteuer wie El Dorado und Spiele, die den Mathematiker im Autor erkennen lassen. Solche Titel können verkopft sein, müssen es aber nicht. Yangtze ist dafür ein Beispiel. Es hat ein mathematisches Gerüst, aber die Rechnerei nimmt an keiner Stelle überhand. Sondern insbesondere der Versteigerungsmechanismus sorgt für Lebendigkeit.

Es geht um Handel – den An- und Verkauf von Gütern, die als runde Plättchen auf dem im Spielplan eingelassenen Fluss ankommen. Sachen, die schon länger am Hafenkai liegen, sind preisgünstiger. Frisch angekommenes ist teuer. Ziel ist es, entweder gleiche Waren oder gleiche Farben gebündelt weiterzuverkaufen. Als Zwilling, Drilling oder gar Vierling kann man einen richtig guten Schnitt machen. Und da Geld eins zu eins in Siegpunkte übersetzt wird, ist das schon mal sehr gut. Wobei das mit dem Geldanhäufen meist gar nicht so gut funktioniert. Denn man möchte sich auch bei den Versteigerungen nichts entgehen lassen. Da geht es um Gebäude, die auf Plättchen in zwei Farben abgebildet sind. Diese werden, genauso wie die in den Fluss hineinzuschiebenden Waren, aus einem schwarzen Beutel gezogen.

Besonders viel Geld biete ich, wenn ich hoffe, im Vergleich mit den Mitspielern die Mehrheit bei einem Gebäudetyp zu erringen. Oder wenn ich viele unterschiedliche Bauwerke einer Farbe sammeln kann. In beiden Fällen kann ich genau austarieren, wie viele Siegpunkte ich am Spielende erreichen könnte – und was ein sinnvolles Gebot für die Auktion ist. Da ich auch bei den Gegnern einsehen kann, welche Gebäude und welchen Geldvorrat sie besitzen, nähern sich die gezahlten Preise im Spielverlauf immer mehr dem vermuteten Optimum an.

Wann geht das Spiel zu Ende? Das ist die größte Unsicherheit. Sobald das letzte Kaiserplättchen aus dem Beutel gezogen wird, ist Schluss. Jeder Kaiser sorgt zudem noch für einen Effekt. Viele sind positiv – beispielsweise Extrapunkte für einen bestimmten Gebäudetyp –, so dass es schade ist, wenn diese in der Startphase des Spiels wirkungslos verpuffen. Andere sind negativ, beispielsweise wenn der Steuereintreiber zuschlägt. Schön hätte ich Übersichtskarten mit den Effekten gefunden, statt in der Anleitung nach der Bedeutung der Symbole nachzuschauen.

Yangtze ist ein Spiel, das positiv überrascht. Beim ersten Beginn hat man noch den Verdacht, sich in allzu ausgetretenen Pfaden zu bewegen. Aber schnell wird man eines besseren belehrt und der Spielspaß nimmt stetig zu. Rainer Knizia ist ein gutes Handels- und Versteigerungsspiel gelungen.

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