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Fasanerie

4 von 6 Punkten von Friedemann Friese

2F (Redaktion: Henning Kröpke, Vertrieb: Spiel direkt)

Illustration: Harald Lieske

ca. 10 €

2 Spielerinnen, mit zwei Spielexemplaren bis 4, mit drei Exemplaren bis 6

Schwierigkeitsehr einfach (ab ca. 8 Jahre)

Jahrgang 2023

Es geht um Vögel, und auch der Fasanenfurz gilt als Tier, ist in der Anleitung zu lesen. Die Spielkarten werden als Straße, die sich immer weiter verlängert, nach und nach auf den Tisch gelegt. Da braucht man entweder einen extrem großen Tisch – oder fügt pragmatisch ein paar Kurven ein. Man könnte auch Karten verschieben, weil wir die Karten von hinten nach vorne nach und nach zu uns nehmen.

Jede Spielerin hat einen Holzchip in ihrer Farbe, mit der sie die Straße entlanggeht. Wir spielen nicht reihum, sondern wer hinten liegt, macht den nächsten Zug. Dabei gewinnt man die Karte, von der man startet, plus die weiter hinten liegenden Karten. Wie weit man nach vorne zieht, ist den eigenen taktischen Erwägungen überlassen, und das ist der spannende Kern dieses Spiels. Wer weit nach vorn zieht, tut dies, um eine bestimmte Karte für sich zu reservieren. Nachteil ist, dass man dann der Gegnerin die Chance einräumt, alle Karten bis zu diesem Punkt für sich einzustreichen. Aber möchte sie das überhaupt? Es gibt nämlich auch Minuskarten: die Fasanenfürze. Pluspunkte, nämlich 1 bis 3, bringen die Goldfasane. Bei den anderen Vögeln ist es mal so und mal so. Ein einzelner Schillerfasan heißt minus 2, ein Pärchen plus 5. Pro Blutfasan gibt es 3 positive Punkte für die ersten beiden Karten, alle folgenden bedeuten 3 negative Punkte. Laut Anleitung soll man die gewonnen Karten unter den Personenkarten verstecken. Sinnvoller ist es aber, den Kartenstapel in der Hand zu behalten, weil man ständig schauen muss, welchen Fasan man noch braucht und welchen man meidet.

Eine Besonderheit ist der Diamantfasan. Er ist nur dann Punkte wert, nämlich beachtliche fünf, wenn sein Besitzer insgesamt die wenigsten Tiere gesammelt hat. So kann man mit wenig am Ende doch noch triumphieren. In der Praxis ist diese Strategie aber eher langweilig, weil der Sieg jetzt nur noch davon abhängt, möglichst viele Karten von dieser einen Fasanensorte zu bekommen, die sonst niemanden interessiert.

Erfahreneren Spielern stehe weitere sechs Fasanenarten zur Verfügung, die man gegen eine der Basissorgen austauschen kann. Material für eine dritte oder vierte Spielerin fehlt hingegen. Um Fasanerie als Multi-Player-Spiel auf den Tisch zu bringen, braucht man ein zweites Spielexemplar. Da mir Fasanerie in dieser Konstellation besser gefällt, hätte ich es mir anders gewünscht: Das Vier-Personen-Spiel mit perfekt ausbalancierten Vogelarten in der einen Box, und eine Erweiterung in der zweiten Schachtel.

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