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Mischwald

5 von 6von Kosch

Lookout Spiele (Redaktion: Maren Holderbaum, Vertrieb: Asmodee)

Illustration: Klemens Franz

ca. 30 €

2 bis 5 SpielerInnen (besser: 2 bis 3)

Schwierigkeit ◼◼◻◻

Jahrgang 2024

Bäume, Vögel, Amphibien und Hirsche. Genau, die Hirsche sind wichtig, weil sie gemeinsam mit weiteren Hirschen sich quasi gegenseitig bei den Siegpunkten hochschaukeln. Und auch von Rehen profitieren die Hirsche. Und die Luchse fressen die Rehe – stopp, so gemein geht es hier nicht zu. Es wird immer schön konstruktiv hinzugefügt – nie wird irgendetwas abgerissen. Die Luchse bekommen ihre Siegpunkte dann, wenn wenigstens ein Reh im Wald vorhanden ist. Noch stärker sind die Wölfe – bei denen klingelt die Siegpunktkasse bei jedem im Wald lebenden Hirsch oder Reh.

Dass es sinnvoll ist, sein Kartenbiotop rund um die Hirsche aufzubauen, kann beim Einstieg in den Mischwald enttäuschend sein. Es gibt zwar auch noch andere sich gegenseitig verstärkende Spielkarten – der Farn in Kombi mit den Amphibien, der Igel und die Schmetterlinge, der Habicht und die anderen Vögel. Aber nichts ist so stark wie ein Hirsch-basiertes Ökosystem – insbesondere wenn man zu zweit spielt. Wenn mehr Leute am Tisch sitzen, gibt es größere Unwägbarkeiten, aber auch Wartezeiten. Viel Interaktion kennt das Spiel nicht, denn wir bauen an unserem persönlichen Wald.

Die Grundregel ist recht einfach: Aus unseren bis zu zehn Handkarten müssen wir zunächst einen Baum in unsere persönliche Auslage legen. Und an diesen können wir die zweigeteilten Karten anlegen: Vögel oben an die Baumkrone, Amphibien in den Wurzelbereich, die anderen Tiere rechts und links vom Stamm. Das ist thematisch wunderbar verständlich. Dass der Einstieg trotzdem alles andere als leicht von der Hand geht, liegt an der riesigen Vielzahl unterschiedlicher Kartentexte und -funktionen. Von diesen profitiert das Spiel auf lange Sicht – jede Partie ist etwas anders, und der Spielreiz trägt vermutlich ewig.

Es reicht nicht, die Hirschstrategie als besonders wertvoll erkannt zu haben – das haben die Mitspielenden ja bald ebenso realisiert. Sondern während des Spiels an den Details zu arbeiten: Man kann seine Karten ja nicht „einfach so“ in den Wald legen. Sondern ich muss sie mit anderen Karten bezahlen, die dann in die Auslage in der Tischmitte kommen. Welche Karten lösen welche Sonderfunktion aus, welches Timing ist gut?

Mischwald ist ein herausragendes Kartenspiel, das allerdings am Ende – nach Spielschluss – an Reiz verliert. Bevor man weiß, wer gewonnen hat, muss gerechnet werden. Nicht ein paar Punkte, sondern mehr als hundert, gelegentlich auch mehr als 300 Punkte, sind zu addieren. Das nervt. Deswegen behaupten manche Leute, dass man Mischwald besser online auf boardgamearena.com spielt. Da gibt es sogar automatisch ausgerechnete Zwischenstände, was fürs taktische Vorgehen durchaus interessant ist. Nachteil der Online-Version – abgesehen davon, dass es immer ein bisschen fade ist, nicht gemeinsam am Spieltisch zu sitzen: Die Auslage bei Mischwald ist so raumgreifend, dass man sie selbst auf einem großen Computermonitor nicht komplett im Blick haben kann. Wirklich schön sieht das Spiel nur auf einem großen Tisch aus. Obwohl von einem wirklichen Mischwald oft nichts zu merken ist – eine Monokultur beispielsweise mit Kastanien erscheint den meisten Mitspielenden punkteträchtiger.

Rating: 8/10 ⚄ ⇗ (» mehr Infos zum Rating)

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