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Toriki

5 von 6 Eine Insel voller Abenteuer

von Wojciech Grajkowski

Mirakulus (Redaktion: Grzegorz Szczepanski, Lizenz: Lucky Duck Games, Vertrieb: B-Rex Entertainment)

Illustration: Kary Jane u.a.

Hergestellt in China

ca. 30 €

1 bis 4 SpielerInnen (besser: 2 bis 4)

Schwierigkeit ◼◻◻◻

Jahrgang 2026

Wir sind auf einer einsamen Insel gestrandet und müssen in diesem App-gesteuerten Spiel überleben – allerdings auf eine erstaunlich sanfte Art. Es geht weniger um existenzielle Bedrohungen als um Entdeckungen und das Erleben kleiner Abenteuer. Toriki verfügt über einen Mechanismus, der über viele Stunden hinweg trägt, denn wir spielen eine sich entwickelnde Kampagne.

Zwar klingen drei Aktionen pro Tag zunächst unspektakulär, sie entfalten jedoch eine bemerkenswerte Wirkung. Wege kosten Nahrung, Werkzeuge müssen vorausschauend eingesetzt werden und jede Bewegung über die Insel fühlt sich gerade zu Beginn wie echter Fortschritt an. Das Zusammenspiel aus Ressourcenverwaltung, Bewegung und App-gesteuerter Entdeckung funktioniert sehr gut. Man versteht schnell, was zu tun ist, ohne dass das Spiel banal wird.

Gerade die ersten Partien leben vom Entdecken. Jeder neue Ort verspricht Erkenntnis und jeder unbekannte Gegenstand auf der Karte weckt Erwartungen. Auch das Kombinieren von Gegenständen, um sie aufzuwerten, ist meist spannend, auch wenn dies nicht immer vollständig überzeugt.

Mit zunehmender Spieldauer verändert sich jedoch die Dynamik. Die Insel wird vertrauter. Immer mehr Felder sind bekannt und viele Zwischenstopps werden zu reinen Durchgangsstationen. Man weiß bereits, dass es dort nichts mehr zu holen gibt, muss aber dennoch anhalten. Oft passt das gerade mitgeführte Werkzeug nicht zum Zielort. Je näher das Spiel dem Ende kommt und je klarer die verbleibenden Aufgaben umrissen sind, desto öfter entstehen Züge, die sich eher wie notwendige Formalitäten anfühlen als wie echte Entscheidungen. Diese wirkungslosen Aktionen schwächen den Spannungsbogen spürbar. Die vielen Runden zu Beginn, nach denen man kaum aufhören möchte und eine Partie an die nächste hängt, machen dieses etwas weniger überzeugende Finale jedoch locker wett.

Und dann ist da noch die Frage der Zielgruppe. Die Mutter optimiert und schlägt vor, wie sich die drei Aktionen perfekt timen lassen. Der Vater ist froh, selbst nichts entscheiden zu müssen – er spielt eher des Familienfriedens wegen mit. Die Tochter bedient begeistert das iPad. Und der Sohn kämpft wiederholt unabgesprochen mit untauglichen Waffen gegen die Eidechsen. Protestiert wird nicht, denn niemand möchte sich dem Vorwurf des Alpha-Players aussetzen. Und trotzdem haben am Ende alle einen schönen Nachmittag verbracht?

Vielleicht. Der Spielspaß ist jedoch am größten, wenn alle Beteiligten einen ähnlichen Zugang zum Spiel haben. Deshalb würde ich Toriki eher homogenen Gruppen empfehlen. Die auf der Schachtel betonte Empfehlung „Familienspiel“ mit Fokus auf Kinder sehe ich etwas skeptisch, da Familie oft eine eher heterogene Konstellation ist.

Unterm Strich bleibt ein starkes, atmosphärisch dichtes Abenteuer, das über viele Stunden trägt, auch wenn der dramaturgische Bogen am Ende etwas straffer hätte gespannt sein dürfen.

Rating: 8/10 ⚄ ⇗

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