Wilmot’s Warehouse
von David King, Ricky Haggett und Richard Hogg
CMYK (Redaktion: Alex Hague, Susanne Kraft u.a., Vertrieb: Asmodee)
Illustration: Richard Hogg
Hergestellt in China
ca. 41 €
2 bis 6 SpielerInnen (besser: 3 bis 5)
Schwierigkeit ◼◻◻◻
Jahrgang 2026
Wilmot’s Warehouse ist ein Memory-Spiel. Das soll jedoch keine Drohung sein. Denn mit dem klassischen Merkspiel hat es erstaunlich wenig zu tun. Statt angespannter Stille und konzentriertem Umdrehen erleben wir hier ein lebendiges, kooperatives Erzählspiel.
Zu Beginn erhalten wir nacheinander Warenplättchen, die wir in ein gemeinsames Lagerraster legen. Jedes Plättchen zeigt lediglich eine abstrakte Zeichnung. Nachdem wir es platziert haben, drehen wir es um und müssen uns die Position merken. Sind alle Waren verteilt, folgt der eigentliche Kraftakt: Nun kommt ein zweiter Satz mit sämtlichen 150 Warenplättchen aus der Schachtel ins Spiel. In weniger als fünf Minuten – besser noch in vier oder gar drei – sollen wir die 35 verdeckt liegenden Waren wiederfinden und korrekt zuordnen. Das klingt extrem schwierig. Ist es aber nicht. Fünf Minuten sind gut zu schaffen.
Der Schlüssel liegt in der Kommunikation. Wer ein Plättchen legt, beschreibt, was darauf zu sehen ist – oder was man darin zu erkennen glaubt – und begründet, warum es genau an diesem Ort einsortiert wird. Erinnert das Bild an Zahnpasta auf einer Bürste? Dann kommt es neben die Tube. Drei gebogene Striche sehen aus wie Bärenkrallen? Dann gehören sie neben den Dreizack. Solche gedanklichen Brücken sorgen dafür, dass aus abstrakten Symbolen merkfähige Geschichten werden. Diskussionen sind ausdrücklich erlaubt. Vielleicht hat jemand eine einprägsamere Idee oder eine bessere Ordnung. Genau darin liegt der Reiz.
Im weiteren Verlauf kommen zusätzliche Herausforderungen hinzu. Mal wird das Spielbrett gedreht, mal darf jede Person nur ein einziges Wort beitragen. Insgesamt liegen 30 solcher Karten bei. Das ist fast ein wenig zu viel. Eine stärkere Auswahl der wirklich interessanten Varianten hätte dem Spiel gutgetan.
Dennoch ist Wilmot’s Warehouse ein besonderes Erlebnis. Es erzeugt eine konzentrierte und zugleich heitere Atmosphäre sowie ein starkes Gemeinschaftsgefühl. Allerdings möchte man im Anschluss selten sofort eine zweite Partie spielen. Das liegt in der Natur des Memory-Prinzips – selbst in dieser gelungenen Weiterentwicklung.
Zwei kleine Wermutstropfen bleiben. Zum einen sind die Videos, die je nach benötigter Zeit am Ende als augenzwinkernde Leistungsbewertung dienen, nicht ins Deutsche übertragen worden. Das wirkt lieblos. Zweitens ist es ein respektloser Umgang mit den kreativen Köpfen hinter diesem ungewöhnlichen Spiel, dass die Namen der Autoren nicht auf der Schachtel stehen, sondern nur ganz hinten in der Anleitung auftauchen.
Rating: 7/10 ⚄ ⇗
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