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Azul

schön: 5 Punktevon Michael Kiesling

Next Move (PlanB, Redaktion: Sophie Gravel, Viktor Kobilke,
Vertrieb: Pegasus Spiele)

Illustration: Chris Quilliams

ca. 40 €

2 bis 4 SpielerInnen

Schwierigkeitsehr einfach (ab ca. 8 Jahre)

Neuauflage 2018 (Erstauflage von PlanB)

Nominiert für das Spiel des Jahres 2018

Fliesenleger in Portugal – für Einige scheint das ein Traumberuf zu sein. Die überaus positiven Reaktionen auf Azul deuten jedenfalls darauf hin.

Wir suchen uns eine der Manufakturscheiben in der Tischmitte aus und nehmen von den vier dort liegenden Fliesen die gewünschte Sorte. Das kann eine Fliese sein oder es sind mehrere – wenn die gewählte Sorte mehrfach vorhanden ist. Was ich nicht nehme wird von der Manufaktur runter in die Tischmitte geschoben. So entsteht eine weitere Auswahlmöglichkeit. Wer als erster Spieler außerhalb der Manufakturplättchen zugreift, bekommt den Startspielermarker und kassiert einen Minuspunkt.
Die genommenen Fliesen klebe ich nicht direkt an die Wand, sondern ich lege sie zunächst in die Musterreihe. Nur wenn eine Musterreihe voll ist, darf ich tatsächlich eine Fliese an der Wand anbringen.

Für eine Fliese ganz oben braucht man nur einen Stein in der Musterreihe. Nach unten hin werden es mehr, bis zu fünf Kacheln, obwohl letztlich auch dort nur eine einzige Fliese die Wand dekorieren wird. Die restlichen Kacheln werden achtlos in den Schachteldeckel geworfen.

Diese Regel ist mir thematisch unverständlich. Kenne ich mich mit dem Gewerk des Fliesenlegers nicht aus? Das kann sein. Noch wahrscheinlicher ist es jedoch, dass über das abstrakte Azul eine untaugliche thematische Einkleidung gestülpt wurde, was das intuitive Begreifen des Ablaufs erschwert.

Mag sein, dass die Studiosus-Klientel mit Begeisterung an die letzte Iberien-Rundreise denkt, wenn sie die schönen Kunstharz-Kacheln in die Hand nimmt. Wer aber mit Kindern oder Jugendlichen spielt, merkt, dass ihnen die Thematik des Spiels fremd bleibt. Um Familien generationsübergreifend zu erreichen, wäre es vermutlich besser gewesen, dieses abstrakte Spiel abstrakt sein zu lassen. So wie das bei Qwirkle durchaus erfolgreich gelungen ist.

Zugegeben: Mein Rumgemäkel an Azul ist Jammern auf hohem Niveau. Denn der Ablauf dieses Spiels funktioniert vorzüglich, er ist eine spannende taktische Angelegenheit. Wer planlos mal hier und mal da eine Kachel an der Wand platziert, bekommt jeweils nur einen Punkt. Wer zusammenhängend fließt, kann hingegen auf der Siegpunktleiste ordentlich vorrücken. Schluss ist, wenn irgendein Spieler eine horizontale Fünferreihe vollständig gefließt hat. Wer eine senkrechte Reihe komplettieren konnte, erhält sieben Extrapunkte. Und wer fünf Kacheln gleicher Farbe einbauen konnte, freut sich über zehn Punkte.

Es gibt aber auch Minuspunkte, was zeigt, dass Azul kein gemütliches Spiel ist. Wer mehrere Steine einer Fliesensorte nehmen muss, kann diese eventuell gar nicht komplett in eine seiner Musterreihen legen. Dann müssen die Überzähligen in die Bodenreihe. Die erste Fliese zählt dort einen Maluspunkt, spätere sogar zwei oder drei.

Riskant wird es zum Ende einer jeden Runde. Es lohnt sich, vorausschauend abzuzählen, wenn in der Tischmitte beispielsweise sechs rote Steine liegen. Spätestens der Letzte muss sie nehmen. Er tut gut daran, fünf in die unterste Musterreihe legen zu können. Alles andere kann ziemlich frustrierend sein, und manche Spieler fühlen sich von ihren Gegnern und vielleicht auch dem Spiel ungerecht behandelt.

Die Erstausgabe von Azul war sehr schnell ausverkauft. Jetzt ist endlich die zweite Auflage da, für die der kanadische Verlag PlanB, der Azul gemeinsam mit dem zu ihm gehörenden Eggertspiele-Studio entwickelt hat, extra eine neue Marke kreiert hat. Next Move heißt das Label. Das Spiel ist nahezu identisch, nur das unscheinbare Startspieler-Pappplättchen wurde zu einer schicken Fliese.

© · games we play 2018



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