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Belratti

5 von 6 Punktenvon Michael Loth

Mogel

Illustration: Anna Oeldig u.a.

ca. 10 €

Sagrada3 bis 7 SpielerInnen (am besten: 4 bis 6)

Schwierigkeit einfach (ab ca. 10 Jahre)

Jahrgang 2018/19

Belratti ist ein Kunstfälscher. Er versucht, seine Fälschungen ins Museum einzuschmuggeln. Das müssen die Museumsleiter verhindern.

Es gibt zwei Gruppen von Spielern, die aber nicht festgefügt sind. Sondern die Zusammensetzung wechselt im Uhrzeigersinn. Die eine Gruppe sind die Maler, die die andere Gruppe die Museumsleiter. Sie spielen nicht gegeneinander – sondern gemeinsam gegen Belratti. Dieses getrennte Agieren und gleichzeitig gemeinsam Gewinnenwollen macht den besonderen Reiz dieses Kartenspiels aus.

Die Museumsleiter decken zwei Zeichnungen vom Kartenstapel auf. Beispielsweise einen Bleistift und einen Fliegenpilz. Das sind die Themen, zu denen sie eine Ausstellung durchführen möchten. Die Maler steuern die Bilder zur Ausstellung bei. Sie wählen aus ihren Handkarten diejenigen, die am besten zu den Themen passen. Die Kommunikation zwischen den Malern ist streng reglementiert. Zeigen darf man seine Karten den Kollegen eh nicht, aber auch nicht sagen, welche Motive abgebildet sind. Erlaub ist nur die Ansage, ob eine Karte eher gut oder eher schlecht in die Ausstellungsplanung passt.

Wenn die Maler sich geeinigt haben, werden zu deren Bildern vier Belratti-Fälschungen gemischt. Die Karten werden aufgedeckt, und die Museumsleiter müssen identifizieren, was Original und was Fälschung ist. Der Collegeblock gehört bestimmt zum Bleistift. Schnecke und Kleeblatt könnten zum Pilz passen. Oder doch besser das giftige Atommüllfass? Für jedes Bild, das die Direktoren der richtigen Ausstellung zugeordnet haben, bekommen wir einen Siegpunkt. Jede Fälschung, die im Museum landet, erfreut hingegen Belratti.

Wie viele Bilder in die Ausstellung sollen, legt die Museumsleitung fest. Das ist leider ein Schwachpunkt im Spiel. Manche meiner Mitspieler fanden es zwar interessant, selbst rauszufinden, was die optimale Zahl ist, um Spreu vom Weizen zu trennen. Aber normalerweise sollte das die Aufgabe bei der Spieleentwicklung sein: auszutesten, was die richtige Zahl für ein ausgewogenes Spielerlebnis ist. Und wenn jede Zahl gleich gut ist? Dann könnte man dem Spiel beispielsweise einen Würfel beilegen – aber nicht die Museumsdirektoren den Job machen lassen. Da sie den Malern nicht in die Karten schauen können, haben sie nämlich am Anfang überhaupt keine Anhaltspunkte dafür, welche Zahl in der jeweiligen Situation die angebrachte ist.

Erst im späteren Spielverlauf macht es Sinn, eine bestimmte und oft recht hohe Ziffer zu nennen. Denn es gibt vier Hilfskarten im Spiel, die man zurückbekommt, wenn man eine Runde komplett ohne Fälschung besteht und vorher die richtige Zahl angesagt hat. Wenn das Spielende naht – weil unser Museum auf insgesamt sechs Fälschungen reingefallen ist – kann man die letzte Zahl auch taktisch berechnen. Gemeinsam haben wir Belratti besiegt, wenn wir in diesem Moment mindestens 15 korrekte Gemälde gesammelt haben.

Belratti, der an den wirklichen „Meisterfälscher“ Wolfgang Beltracchi erinnern soll, ähnelt Kommunikationsspielen wie Dixit, Mysterium oder Codenames Pictures. Es spielt sich insbesondere in kleiner Runde flotter als letzteres und ist einfacher. Die Spielanleitung hätte es trotzdem verdient, präziser und kompakter formuliert zu sein. Denn die Idee dieses Spiels ist überragend gut. Bilder einem Thema assoziativ zuzuordnen, macht Spaß und wird für viele lustige Spielerunden sorgen.

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