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Kennerspiel des JahresFlügelschlag

von Elisabeth Hargrave

Feuerland (Redaktion: Inga Keutmann, Lizenz: Stonemaier Games)

Illustration: Natalia Rojas, Ana María Martínez Jaramillo und Beth Sobel

5 von 6 Punktenca. 50 €

1 bis 5 SpielerInnen (besser: 3 bis 4)

Schwierigkeit einfach (ab ca. 10 Jahre)

Kennerspiel des Jahres 2019

„Wie Elizabeth Hargrave aus einer Leidenschaft für Ornithologie und Tabellenkalkulation ein beliebtes Spiel über Vögel machte“, schrieb die New York Times über Flügelschlag. Die Zeitung charakterisierte damit ein Spiel, dessen thematische Einkleidung auf einer Fleißarbeit beruht, die scheinbar jeden relevanten nordamerikanischen Vogel einbezieht. Die Abbildungen auf den Spielkarten erinnern an die Zeichnungen aus einem Vogelführer. Welcher Lebensraum, welche Sorte Nest, welche Spannweite, wieviel Eier? All diese Angaben, angepasst an den Spielablauf, befinden sich auf den Karten.

Auch sonst beeindruckt das Spiel durch seine erstklassige Aufmachung – nur die Vogeltränke, auf der die nachzuziehenden Karten liegen, ist aus billig aussehendem Plastik. Hingegen ist der Würfelturm aus stabiler Pappe, und er ist ein echter Blickfang. Er sieht aus wie ein Vogelhaus. Aus ihm fallen die fünf Würfel in einem Auslauf, und diese stellen das Futter für unsere Vögel dar. Es gibt Raupen, Nagetiere, Fische, Samen und Früchte zu fressen.

Jeder hat sein eigenes Tableau, auf das wir Spielkarten in den Wald, ins Grasland oder ins Feuchtgebiet legen. Jede Vogelkarte bringt je nach Wert der Karte unterschiedlich viele Siegpunkte. Außerdem können sie teilweise – was je einen Siegpunkt bedeutet – Futtermarker horten und andere Vogelkarten sammeln – gemeint ist auffressen. Da spielt ein Raubvogel, beispielsweise der Wanderfalke, Black Jack, deckt eine Karte vom Nachziehstapel auf, und wenn sein Opfer weniger als einen Meter groß ist (gemessen wird die Spannweite) verspeist er es. Der Glücksfaktor ist bei Flügelschlag nicht zu unterschätzen, er steht hier im richtigen Verhältnis zum taktisch-strategischen Anteil des Spiels.

Wenn die Vögel auf dem Tableau liegen – oder „gebaut“ wurden, wie spielerfahrene Leute themenwidrig sagen – können sie in den späteren Zügen aktiviert werden. Dann werden die Funktionen aller Vögel, die jeweils im Wald, im Grasland oder die im Feuchtgebiet leben, durchgeführt. So kommt man leichter an Futter oder an Karten. Auch besagter Raubvogel kann dann zuschlagen. Punkte bringen auch die Eier. Diese sorgen für einen Spannungsbogen, der zum Ende hin ein wenig wegplätschert. Manche Spieler legen dann nämlich nur noch Eier. Wobei das auch einen Vorteil hat: Das geht flott, und niemand fängt an, ewige Berechnungen anzustellen, um die Schlusszüge auf den Endpunkt hin zu optimieren. Das Spiel gefällt mir am besten in kleiner Runde mit drei Leuten. Insbesondere zu fünft dauert es zu lange und bietet zu wenig Interaktion.

Leider sind die Vögel aus Amerika, denn die „Lokalisierung“ (so nennt man die Übertragung in eine andere Sprache) ist auf halbem Wege stecken geblieben. Die englischsprachigen Vogelnamen wurden zwar ins Deutsche übersetzt – aber die Tiere wurden bedauerlicherweise nicht gegen ihr europäisches Pendant ausgetauscht. Meines Erachtens hätte sich der Verlag die allein sprachliche Übersetzung sparen können. Zumal diese sehr aufwändig war, weil sie auch Regelanpassungen bedeutete.

Allerdings betrifft mein thematischer Einwand nur die Minderheit der Spielerinnen und Spieler, die sich wirklich für die heimische Fauna interessieren. Allen anderen geht es ausschließlich ums unbesteitbar gute spielerische Potenzial – da könnten die Vögel auch aus einer Fantasywelt entstammen.

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