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Der Herr der Ringe
Schwierigkeit Verpackung - Spiel des
Jahres Der Herr der Ringe ist ein absolut außergewöhnliches Brettspiel:
Es ist ein kooperatives Spiel. Doch kooperative Spiele, wie sie in den
80er Jahren die Pädagogen begeisterten, sind langweilig. Ein Spiel
lebt vom Wettkampf.
Der Herr der Ringe ist ein Merchandising-Artikel zum Ende 2001 in
die Kinos kommenden Film, dem ersten Teil einer monumentalen Trilogie.
Merchandising-Artikel können aber keine guten Spiele sein.
Die enge Anlehnung an die thematische Vorlage des
von J.R.R. Tolkien geschriebenen Buches (das gleichzeitig in einer Neuauflage
erschienen ist) muss den Spielfluss hemmen. Das Spiel interessiert nur diejenigen, die auch das Buch gelesen
haben.
Knizia-Spiele mag ich nicht. Sie sind zu mathematisch abgezirkelt,
wirken konstruiert und das Thema ist aufgesetzt.
Was uns hier als Mehr-Personen-Spiel dargeboten wird, ist eigentlich
ein Solitärspiel.
Der Herr der Ringe ist wie ein Computerspiel. Wenn ich die Lösung
gefunden habe – also bis zum Ende durchgekommen bin und gewonnen habe –
ist das Spiel uninteressant.
Der Herr der Ringe ist das wohl umstrittenste Brettspiel, das in den letzten Jahren erschienen ist. Die oben aufgeschriebene Kontroverse macht deutlich, wie vielschichtig der Streit ist. Worum geht es im Spiel? Jede SpielerIn hat eine Spielfigur. Sie wird
auf die helle Seite der Spielleiste gesetzt. Auf der anderen, der dunklen
Seite der Leiste, steht die schwarze Figur – Sauron –, das Böse.
Ziel des Spiels ist es, bis zum Ende Abstand zum Bösen zu halten.
Durch Ereignisse im Laufe des Spiels rücken die Figuren nach vorn,
so dass ständig die Gefahr besteht, dass eine SpielerIn ausscheidet
– dies geschieht, wenn ihre Spielfigur auf Sauron trifft. Wenn die
ausscheidende SpielerIn zu diesem Zeitpunkt TrägerIn des Rings ist,
dann ist das Spiel für alle zu Ende und alle haben verloren. Eine
Chance gegen Sauron haben die SpielerInnen nur, wenn sie möglichst
bis zum Ende alle im Spiel bleiben. Deshalb kämpfen sie gemeinsam
dafür, dass jede einzelne Figur vor Sauron geschützt wird
Leute die gerne und regelmäßig spielen und zudem bereit sind, sich auf dieses äußerst ungewöhnliche Spiel einzulassen, haben die Chance, ein sehr überraschendes und unterhaltsames Spiel kennenzulernen. Leider war die Spielregel und die -anleitung, die der Erstauflage beilage, übermäßig kompliziert geschrieben (das Spiel ist übrigens keinesfalls ab 10 Jahren zu empfehlen, wie es die Schachtel der ersten Auflage behauptete). Es ist dem Spiel zu wünschen, dass Viele einen Zugang zu diesem Titel finden. ca. 18,95 Euro – nicht mehr lieferbar – 2002 In der Herr der Ringe-Erweiterung behindern 30 Feinde nun zusätzlich den Weg zum Ziel, den Ring zu zerstören. Regelmäßig werden neue Feindkarten aufgedeckt. Und ständig muss man sich bemühen, diese Karten zu besiegen. Denn es dürfen nicht zu viele Feinde offen ausliegen. Denn wenn es acht sind, ist die Partie verloren. Außerdem ist ein Umweg über Bree und Isengart zu nehmen, denn in Die Feinde liegen zwei neue, zusätzliche, Abenteuerspielpläne. Damit die Neuerungen insgesamt nicht zu destruktiv wirken, bekommen die SpielerInnen zusätzliche Charakter-Stärkekarten und drei neue Gandalf-Karten. Reiner Knizia hat eine hervorragend austarierte Erweiterung zu seinem Tolkien-Spiel entwickelt. Es ist keine Erweiterung, die einfach nur für zusätzliche Schwierigkeiten und längere Spieldauer (und mehr Geld in den Kassen) sorgt, sondern die das Spiel mit sehr interessanten zusätzlichen Handlungsmöglichkeiten ausstattet. So lassen sich die Feindkarten auch dazu nutzen, einzelne Abenteuerspielpläne zu überspringen. Dies geschieht immer dann, wenn beim Abschluss eines Abenteuerspielplans alle Feinde besiegt sind. Dies eröffnet eine alternative Spieltaktik, die die Fans des Spiels sicherlich begeistern wird. Und wenn es gelingt, alle 30 Feinde zu schlagen, hat man das Spiel sofort gewonnen. Ein Muss ist die Erweiterung trotzdem nicht. Wer den ungewöhnlichen Mechanismus des recht glücksbetonten, kooperativen Herr der Ringe nicht mag, wird auch an der Erweiterung keinen Gefallen finden. Wer den Herr der Ringe nur gelegentlich spielt und mit der dort gebotenen Komplexität zufrieden ist, braucht Die Feinde ebenso nicht. © games we play 2001-05 – Harald Schrapers
Stand: 21.3.05 |