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Der Kartograph

5 von 6Ein Spiel im Roll Player Universum

von Jordy Adan

Pegasus Spiele (Redaktion: Martin Zeeb, Keith Matejka, John Brieger, Lizenz: Thunderworks Games)

Illustration: Lucas Ribeiro

ca. 20 €

1 bis 100 SpielerInnen (am besten: 2 bis 8)

Schwierigkeiteinfach (ab ca. 10 Jahre)

Nominiert für das Kennerspiel des Jahres 2020

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„Flip and write“ heißt das Prinzip: Es wird eine Karte aufgedeckt, auf der eine Tetris-Form zu sehen ist. Die muss nun jeder Mitspielende auf seinen Zettel malen, wo eine Art Landschaft entstehen wird. Der Kartograph ist ein Spiel mit einem Radiergummi, falls mit ein Fehler unterläuft. Natürlich darf ich nur das soeben gemalte wegradieren, was trotzdem sehr hilfreich ist. Denn das, was eingezeichnet werden muss, ist manchmal gar nicht einfach umzusetzen. Wer geübter in Kartograph ist, könnte auch Buntstifte verwenden, damit das Eingezeichnete übersichtlicher wird. Nachtteil: man kann nicht mehr radieren.

„Fischerdorf“ lautet eine Karte: da muss ich entweder vier Häuser in einer Reihe oder vier Wasserwellen malen. Das ist simpel. Die fünf Felder der verwinkelten „Baumwipfeldorfes“ sind hingegen nicht so einfach, zumal man die Vorgabe drehen und spiegeln darf. Am häufigsten wird aber radiert, weil es nicht gelungen ist, im ersten Anlauf so zu zeichnen, dass man in optimaler Weise Siegpunkte erhält. Am besten ist es, wenn man das gezeichnete in mehrere der vier unterschiedlichen Wertungen einfließen lassen kann. Wozu man übrigens ein gutes Timing braucht, damit die Sachen immer genau dann fertig sind, wenn die passende Wertung ansteht.

Schön ist der interaktive Moment in dem im Grundsatz recht solitären Spiel. Es sind vier „Hinterhalte“ im Stapel: Dann gibt man seinen Zettel dem Nachbarspieler. Der malt jetzt vier oder fünf zusammenhänge Monsterfelder in meine Landschaft. Das sind Maluspunkte, wenn ich die Monster nicht rechtzeitig einhege.

Ich hatte gedacht, nach Ganz schön clever hätte ich im Genre der anspruchsvollen Aufschreibspiele die Spitze schon gesehen – und jetzt könnte nichts mehr kommen. Der Kartograph ist sicherlich nicht besser als Ganz schön clever – aber variiert das Aufschreibgenre so spannend, dass ich immer wieder gern zu dem Spiel greife. Es ist so gut, dass ich mir gewünscht hätte, Autor und Redaktion hätten das Spiel für eine deutlich größer Zielgruppe zugänglich gemacht, als nur den „Kennerspieler“ (der laut Untertitel wohl auch das unbedeutende Roll Player kennen soll). Eine Startempfehlung, welche vier der 16 Wertungskarten am besten für Einsteiger geeignet sind (und die man teils noch einen Tick hätte vereinfachen können) – die Mühe hätte man sich machen können.

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