games we play

Die Macher

Ein Spiel um Parteien, Geld und Macht

von Karl-Heinz Schmiel

Hans im Glück / Moskito

ca. 65-85 DM

- nicht mehr lieferbar -

bis 5 SpielerInnen

Schwierigkeit schwer (ab ca. 15 Jahre)schön: 5 Punkte games we play Tip: Das TOPspiel

Verpackung + 

Auswahlliste Spiel des Jahres 1998

6. Platz Deutscher Spiele Preis 1998

1986/87 ist dieses fulminante Spiel um Landtags- und Bundestagswahlen das erste Mal bei Moskito erschienen. Elf Jahre später ist es in Zusammenarbeit mit Hans im Glück neu aufgelegt worden. Die wichtigste Veränderung: da nun die PDS dabei ist, können fünf SpielerInnen mitmachen. Diese spielen jeweils die WahlkampfmanagerIn einer Partei.

Sieben zufällig ausgewählte Landtagswahlen gilt es zu bestehen. Die besten Chancen haben die Parteien, deren Wahlprogramm der Mehrheit der WählerInnen am ehesten entspricht. Dazu liegen bei jeder Wahl die Mehrheitsmeinungen in vier Themenfeldern in Form von Kärtchen offen. Die Themenfelder sind Sozialstaat, Gentechnik, Kernenergie, innere Sicherheit und - aktuell (womit das Spiel recht schnell inaktuell wird) - der Euro, die Gesundheitsreform und die "Rächtschreibreform". Auf den Kärtchen steht dann jeweils ja oder nein, sofort oder später bzw. mehr oder weniger.

Zu Beginn tagt jeweils die Wahlprogrammkommission jeder Partei. Die Wahlprogramme bestehen jeweils aus fünf Kärtchen, das heißt Themen. Die Kommissionen können sich überlegen, ob sie ein Kärtchen austauschen, um damit das Programm der Wählermeinung etwas anzupassen. Anschließend dürfen die PolitikerInnen des Schattenkabinetts der Partei in den Wahlkampf eingreifen, was einiges an Geld kostet, wenn es effektiv sein soll. Dabei ist es ihnen auch möglich, Koalitionsaussagen zu machen, um dann zusammen mit einer anderen Partei den Sieg bei der Landtagswahl leichter einfahren zu können. Dann geht es weiter damit, dass die Parteien Geld investieren, um ihren Medieneinfluss zu erhöhen. Dabei kann dann die Meinung der BürgerInnen in einem bestimmten Thema auch schon mal geschickt verändert werden. Auch ganz normale Wahlkampf-Großveranstaltungen werden abgehalten. Und dann kaufen die Parteien Umfragen bei den Meinungsforschungsinstituten um - je nach Ergebnis - die Resultate zu veröffentlichen oder geheimzuhalten.

Alle diese Aktionen haben Einfluss darauf, wie viele Stimmen und Mandate eine Partei in einem Bundesland kriegt. Dies gestaltet sich äußerst komplex. 24 Seiten braucht die - mit der Essener Feder als vorbildliche Anleitung ausgezeichnete - Spielregel, um Zusammenhänge und Abläufe zu erläutern. Zudem gibt es auch noch bundesweit zu erringende Punkte in verschiedenen Disziplinen zu berücksichtigen. Und alle Landes- und Bundesergebnisse werden danach zum Gesamtresultat verrechnet. Dann sind mindestens vier Stunden vergangen, die Regelerarbeitung nicht mitgerechnet.

Die Macher ist sicherlich ein brillantes Spiel, auch wenn es nicht immer zufriedenstellend ist, wenn am Ende das Ergebnis der siebenten Landtagswahl noch mal alles über den Haufen werfen kann. Es stellt sich jedoch die Frage, ob sich der enorme Aufwand lohnt. Und diese Frage muss jede für sich selbst beantworten. Wer gerne in einer festen Spielgruppe immer das gleiche Spiel auf dem Tisch haben möchte und dabei ein paar Stunden Zeit mitbringt, ist mit den Machern prächtig bedient. Bei Leuten, die sich nicht so kompromisslos beschreiben würden, ist es fraglich, ob die Investition in dieses Spiel lohnend ist.

Bei keinem anderen Spiel wäre es so lohnend gewesen, eine Einstiegsregel zu entwickeln. Denn auch der Kampf um drei, vier Länderparlamente - und der Verzicht auf alle komplizierten Bundestrends - würde noch eine sehr spannendes Spiel bedeuten. Doch leider heißt es bei den Machern: alles oder nichts.

[ FAQ zu den Machern ]

© games we play - niederrhein magazin 1998-2001 - Autor: Harald Schrapers


Stand: 29.4.01