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Paleo

5 von 6 PunktenEin kooperatives Abenteuerspiel

von Peter Rustemeyer

Hans im Glück (Vertrieb: Asmodee)

Illustration: Dominik Meyer

ca. 50 €

1 bis 4 SpielerInnen (besser: 2 bis 3)

Schwierigkeit mittel (ab ca. 12 Jahre)

Kennerspiel des Jahres 2021

Die Steinzeit bietet viele Herausforderungen, und in Paleo sehen wir uns ihnen gehäuft ausgesetzt. Und weil das aufregend genug ist, hat sich der Autor gedacht, er kann auf kribbelnden Wettbewerb zwischen den Mitspielenden verzichten. Es reicht, dass wir den Kartenstapel besiegen. Dieser wird an die Teilnehmenden verteilt, und alle nehmen sich eine der drei oberen Karten. Da sie teils unterschiedliche Rückseiten haben, weiß man, ob man beispielsweise in den Wald geht – da gibt es Holz und Nahrung – oder sich ans Lagerfeuer setzt, wo man sich vermehren kann oder Ressourcen in Werkzeuge verwandelt. Unangenehm sind die roten Karten, bei den Gefahren drohen. Verlässlich sind die Kartenrückseiten aber nicht. Sie können auch Überraschungen enthalten, denn wirklich kalkulierbar war das damalige Leben niemals.

Welche Karte ich nehme, darf ich laut Spielanleitung nicht selbst entscheiden. Sondern muss die Mitspielenden fragen und insbesondere denjenigen Mitspracherecht einräumen, die es eh immer besser wissen. Das ist ein bisschen schade. Ich hätte mir erhofft, dass hie mehr auf das individuelle Tun Rücksicht genommen wird, denn spieltechnisch besitzt Paleo hier viel Potenzial. Zwar gibt es einen gemeinsamen Pool an Ressourcen, aber auch Fähigkeiten wie Stärke und Geschick, die meiner Gruppe an Menschen persönlich zustehen. Da viele Karten das Helfen ausdrücklich erlauben, kann ich mein Können gut dem Mitspielenden zur Verfügung stellen. Ob das gut und kooperativ funktioniert, hängt sehr von der Zusammensetzung der Gruppe ab – kaum ein Spiel ist so auf eine homogene Runde angewiesen, wie dieses. Es sei denn, man hat sich schon vorher entschieden, gar nicht so sehr aktiv zu handeln, sondern sich mit einer Mitspielerrolle zufrieden zu geben. Vermutlich wird man es deswegen am ehesten zu zweit spielen, vielleicht auch dritt. Zu viert kann man Paleo – obwohl es ärgerlicherweise auf der Schachtel steht – „unter keinen Umständen“ (so steht es in der Anleitung) beginnen. Für ein echtes Vier-Personen-Spiel müsse man zuvor schon eine Partie absolviert haben.

Paleo ist eine knifflige Herausforderung. Wer keine herausragenden Spielerfertigkeiten besitzt, muss einigen Frust durchleben. Schon im Kapitel 1 muss man sehr gut spielen oder der viel Glück haben, wenn man auf Anhieb gewinnen will. Das kann auch nerven, insbesondere wenn wir kurz vor dem Verhungern sind, weil wir nicht genug Fleisch produzieren, aber uns trotzdem noch ohne Siegperspektive durch die Karten hangeln. Gut ist, dass die Vielfalt so groß ist, dass auch eine Wiederholung selten zu einem puren Abarbeiten des Kartenstapels gerät. Sicherlich gibt es manchmal Phasen, in denen es nichts wirklich zu entscheiden gibt, aber es gibt auch noch Situationen neu zu entdecken.

Dieser Rezension liegt die 1. Auflage von Paleo zugrunde.

Die Regeln dieses Spiels sind recht umfangreich, und die die Anleitung schafft es leider nicht, diesen Herr zu werden. Sie verschwendet viel Platz darauf, wie man in zwei Varianten die Elemente auf dem Tisch anordnet – obwohl das völlig egal ist und die missratene „Werkbank“ (in die die Plättchen gar nicht passen) ziemlich unnütz ist beziehungsweise im Weg rumsteht. Doch leider fehlen dann immer noch Sachen, die auf den Tisch gehören, und man beginnt mit dem Hin- und Hergeblätter in der Anleitung und dem Beiblatt. Da sich das auch während der Partie oft wiederholt, wird einem phasenweise der Spaß genommen. Zumal das nicht nur die erste Runde betrifft, sondern auch in späteren Partien hatte ich mir manchmal die Frage gestellt, ob ich diese oder jene Regelfrage aus eigenem Gusto entscheide, statt in der Anleitung danach zu suchen.

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