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Der Perfekte Moment

5 von 6von Anthony Nouveau

Corax Games (Redaktion: Rico Besteher u.a., Vertrieb: Happyshops)

Illustration: Maja Wrzosek, Sören Mdeing, Gyula Pazsgay

ca. 39 €

2 bis 4 SpielerInnen (besser: 3 bis 4)

Schwierigkeit einfach (ab ca. 10 Jahre)

Jahrgang 2021

Ein Spiel, wie aus der Zeit gefallen: Familienfeiern mit einem Dutzend Gäste, die sich um eine festliche Tafel drängen, gab es pandemiebedingt schon lange nicht mehr. Und nun geht es darum, diese Gäste zum Foto rund um den gedeckten Tisch zu versammeln.

Wo steht wer? Jeder Gast und sogar der Hund haben konkrete Vorstellungen. Diese befinden sich auf Spielkarten. Ein Gast möchte in der letzten Reihe stehen, einer neben dem kleinen Jungen, einer direkt am Tisch. Auch wegen des Sichtschirms, hinter dem wir an den Aufgaben knobeln, erinnert Der perfekte Moment an das Deduktionsspiel The Key. Obwohl es hier gar nicht um Deduktion geht – sondern ums Gegenteil.

Direkt am Tisch stehen und gleichzeitig in der letzten Reihe sein? Die Leute wissen einfach nicht was sie wollen. Jedem Gast sind nämlich drei Spielkarten zufällig zugeordnet und in eine Mappe gesteckt worden. Ob die logisch zusammenpassen, fragt keiner. Wir müssen entscheiden, wie wir mit möglichen Widersprüchen umgehen.

Zu Beginn werden die Mappen unter den Spielenden verteilt, so dass alle schon mal die ersten Figuren für eine Startaufstellung gruppieren können. Danach werden die Mappen untereinander getauscht oder versteigert, wozu die Tischdekoration, die je einen Siegpunkt wert ist, als Währung dient. So erhält man Informationen über weitere Gäste. Gleichzeitig hat man keinen Zugriff mehr auf die Mappen, die man weggeben musste. Hier muss man versuchen, sich zu erinnern. Gute Memory-Fertigkeiten sind also von Vorteil.

Unterhaltsam ist Der perfekte Moment auf alle Fälle, das Ausknobeln der perfekten Positionen für das Schlussfoto macht sehr viel Freude. Die ungewöhnliche und ziemlich originelle Grundidee des Spiel trägt deutlich dazu bei. Hinzu kommt die gelungene Ausstattung und die durchdachte Spielregel.

Der Glückfaktor spielt für uns als ambitionierte Fotografen eine große Rolle. Beim Tauschen bekommt man mal mehr und mal weniger Infos. Mal freut man sich, dass man an entscheidender Stelle noch umbauen kann. Mal hat man wenig zu tun und profitiert vielleicht davon, dass die neu erworbenen Mappen die Pläne nicht über den Haufen werfen. Die Runden, insgesamt sind es sechs, laufen zum Spielende hin immer schneller ab, so entstehen selten lange Wartezeiten.

Nicht im Mittelpunkt des Spiels, sondern als I-Tüpfelchen am Ende wird sogar noch ein richtiges Foto gemacht. Sozusagen als Videobeweis, den man vielleicht sogar in eine gemeinsame Whatsapp-Gruppe schickt. Denn es gibt durchaus Entscheidungen, für die die exakte Fotoperspektive entscheidend ist. Verdeckt die Dame im orangenen Kleid tatsächlich das Gesicht des bärtigen Herrn, so wie es die Karte verlangt?

Die abschließende Auswertung nimmt zwar etwas Zeit in Anspruch, weil nun alle Mappen geöffnet und die Karten vorgelesen werden. Wer es schafft, alle drei Anforderungen eines Gastes zu erfüllen, gewinnt sechs Punkte. Wenn gar nichts geklappt hat, gibt es drei Minuspunkte. Unterdrückte Freudenschreie und gelegentliche Seufzer kennzeichnen diese Phase – die einen lamentieren über ihr schlechtes Gedächtnis, während die Siegerin sich für ihr perfektes Foto feiern lässt.

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