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Verflixxt!

5 von 6 Punktengames we play Tip: Das TOPspielvon Wolfgang Kramer und Michael Kiesling

Amigo

Illustration: Dominik Hüfner

ca. 25 €

2 bis 6 SpielerInnen (besser: 3 bis 4)

Schwierigkeit sehr einfach (ab ca. 8 Jahre)

überarbeitete Neuausgabe 2020

» ORIGINALAUSGABE RAVENSBURGER

Nominiert für das Spiel des Jahres 2005

10. Platz Deutscher Spiele Preis 2005

Hochgelobt als „Mensch ärgere dich nicht des 21. Jahrhunderts“ kam dieses Kramer/Kiesling-Spiel damals auf den Markt. Ist Mensch ärgere dich nicht eigentlich wirklich eine Empfehlung für ein modernes Spiel? Klar ist, dass diese Umsatzzahlen jedes Spiel gerne hätte – beziehungsweise der Verlag des Spiels. Ansonsten ist dieser Klassiker eine doch ziemlich sinnlose Würfelei. Bei mir zu Hause herrscht deswegen auch ein Mensch ärgere dich nicht-Bann, insbesondere für Kinder – Erwachsene können schließlich machen was sie wollen. Zu spielen, allein um sich Frust abzuholen, dass muss wirklich nicht sein. Da bieten so viele andere einfache Spiele ein Mehrfaches an spielerischem Gehalt und ein Mindestmaß an Einflussnahme: damit es sich lohnt, verlieren zu lernen.

Keine Angst, Verflixxt ist ein komplett anderes Spiel, bei dem ich noch nicht einmal die gegnerischen Pöppel rausschmeißen darf. Dabei ist das eigentlich das beste an Mensch ärgere dich nicht. Schadenfreude macht immer Spaß.

Gespielt wird mit drei Figuren pro Person und einem Würfel. Die Figuren werden entsprechend des Würfelergebnisses über einen Weg geführt, der aus Plättchen zusammengesetzt wird. Der erste Teil des Weges besteht aus Tafeln mit Minus-Werten, der zweite Teil aus Glücksklee, und danach folgen auf die wertvollsten Plus-Zahlen noch ein paar Minus-Plättchen. Die Kleeblätter dienen dazu, eine negative Zahl zu egalisieren.

Wenn ich ein Plättchen mit meinem Pöppel betrete, passiert zunächst mal gar nichts. Das Plättchen bekomme ich erst dann, wenn ich es verlasse und unbewacht zurücklasse. Solange noch eine Figur auf einer Tafel steht, bleibt sie da, wo sie ist.

Auf jeder Glücksklee-Tafel steht zudem noch eine neutrale Wächterfigur, genauso wie auf den wertvollsten Plus-Ziffern. Hier muss ich erst den Wächter wegbewegen, bevor ich an das Plättchen herankomme. Das Spiel schwankt zwischen dem Eindruck, dass es taktisch ganz schön anspruchsvoll zu sein scheint, und dem Gefühl des hilflosen Gewürfels. Insbesondere wenn die ersten Figuren und Wächter bereits im Ziel sind, gibt es gelegentlich keinerlei Handlungsalternativen mehr, was nicht wirklich gut für den Spannungsbogen ist.

Typisch an Verflixxt ist der fehlende Vorwärtsdrang. Die Figuren, die sich auf einem der wertvollen Siegpunkt-Plättchen versammelt haben, verharren oftmals so lange, bis es keine andere Zugmöglichkeit mehr gibt. Denn wer zuletzt noch steht, den belohnt das Leben – oder so ähnlich. Doch anschließend drohen noch ein paar Minus-Zahlen. Wenn die Wächterfiguren und die anderen Pöppel schon im Ziel sind, wird es schwieriger, diesen Malusbereich unbeschadet zu durchqueren. Allerdings ist das Ziel gegen Spielende schon näher herangerückt, denn jedes genommene Plättchen verkürzt den Weg.

Je größer die Spielerunde ist, desto schwieriger ist es, Interesse und Spannung aufrecht zu erhalten. Und das, obwohl es eigentlich recht flott geht, denn es ist zweifelsohne ein einfaches Spiel.

Diverse Varianten waren in der Originalausgabe des Spiels vorhanden, in der bei Amigo erschienen Neuauflage wird zwischen einem Grundspiel und eine Profivariante unterschieden. Das eröffnet zwar Auswahloptionen, doch besser hätte es gefunden, wenn es nur eine Spielmöglichkeit gebe – und die mich richtig überzeugt hätte.

© · games we play 2005–20



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