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Spiel des JahresCascadia

Im Herzen der Natur

von Randy Flynn

Illustration: Beth Sobel

5 von 6 Kosmos / AEG / Flatout Games (Redaktion: Sebastian Wetzlaff, Wolfgang Lüdtke, Peter Neugebauer)

ca. 35 €

2 bis 4 SpielerInnen (besser: 2 bis 3)

Schwierigkeiteinfach (ab ca. 10 Jahre)

Spiel des Jahres 2022

2. Platz Deutscher Spiele Preis 2022



Brettspielpodcast | Lachswanderung durch die Prärie »

Wir befinden uns im nordamerikanischen Westen, in Kaskadien. Und dort leben Grizzlys, Bussarde, Hirsche, Füchse und Lachse, die auf den Karten sehr schön abgebildet sind, die die Siegpunktwertung erklären.

Im Grunde ähnelt Cascadia einem Flip-and-Write Spiel: Man deckt Karten auf und markiert auf einem Zettel das ab, was einem die ausgewählten Karten vorgeben. Cascadia macht es aber viel eleganter. Es stehen keine Spielkarten zur Auswahl, sondern vier sechseckige Landschaftsplättchen und vier Holzchips, auf denen je eines der fünf unterschiedlichen Tiere abgebildet ist. Wer an der Reihe ist, muss sich immer für eines der vier nebeneinanderliegenden Pärchen entscheiden: Landschaft plus Tier, auch wenn es oft gar nicht gut zusammenpasst. Nur selten im Spiel kann man diesen Zwang durch die Abgabe eines Jokermarkers durchbrechen.

Das Spiel hat zwei unterschiedlichen Ziele: Man muss möglichst große zusammenhängende Gebiet aus den Landschaftsplättchen formen – es gibt Prärie, Wasser, Wald, Gebirge und Wiese. Und man muss die Tiere auf freie Landschaftsplättchen legen, die das entsprechende Symbol zeigen, und möchte dabei einem Muster folgen: Bären wollen als Pärchen liegen, Bussarde als Einzelgänger, Lachse in möglichst langer Reihe. Dass sich die Fische dabei auch in der Prärie oder im Wald wohlfühlen, zeigt, dass die beiden Wertungen – Landschaft und Tiere – nicht nur rechnerische voneinander abgekoppelt sind, sondern leider auch thematisch. Aber immerhin fällt das – außer bei den Lachsen – nicht besonders auf.

Cascadia ist ein sehr schönes und ruhiges Legespiel mit einfachen Regeln, bei dem wir gemütlich unsere jeweils eigene Landschaft zusammenbauen und besiedeln. Das ist spannend und insbesondere in einer Zwei-Personen-Konstellation ein hervorragendes Spielerlebnis. Während man seine Landschafts-Tier-Kombination aussucht, ist die Mitspielerin damit beschäftigt, ihr zuvor erworbenes Plättchen perfekt zu platzieren. So läuft das Spiel super flott. Zu viert verliert Cascadia etwas an Schwung, weil man schon mal ein wenig warten muss, ohne durch ein Plus an Interaktion entschädigt zu werden. Denn wirklich interessant ist das nicht, was die anderen machen. Gegen Spielende zählt man beim Mitspielenden gelegentlich durch, bei welcher Landschaft man die Extrapunkte für das größte Gebiet abgreifen kann. Aber ansonsten spielt man für sich. Und zwar sehr konstruktiv und mit stetigem Hinzugewinn. Auch wenn es nicht perfekt klappt: Man beendet fast jeden Zug mit dem guten Gefühl, wenigstens einen Punkt hinzugewonnen zu haben.

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