games we play

Fresko

von Marco Ruskowski
und Marcel Süßelbeck (sowie Wolfgang Panning*)

Queen

ca. 35 € 

schön: 5 Punkte games we play Tip: Das TOPspiel 2 bis 4 SpielerInnen

Schwierigkeiteinfachl (ab ca. 10 Jahre)

Deutscher Spiele Preis 2010

nominiert für
das Spiel des Jahres 2010

Das Deckenfresko im Dom muss von uns restauriert werden. Das beginnt damit, dass sich das Spiel den wirklichen Realitäten des Lebens stellt. Ich muss mit meiner Spielfigur entscheiden, wann ich morgens aufstehen will. Der frühe Vogel fängt den Wurm? Nein, es gibt auch Nachteile. Denn wenn ich dauernd zu früh anfange zu arbeiten, sinkt die Stimmung in meinem Team drastisch und irgendwann bleibt einer meiner Gehilfen sogar ganz zu Hause.

Einen Vorteil hat das Frühaufstehen. Wenn ich auf den Markt gehe, habe ich die volle Auswahl an allen Ständen. Kaufen muss ich Farben. Und wer zu spät kommt, sieht mehr geschlossene als offene Marktstände und muss nehmen was übrig bleibt. Immerhin bekommt er die Farben zum Schnäppchenpreis.

Fresko ist ein so genanntes „worker placement“-Spiel. Das ist in den letzten Jahren ein beliebter Mechanismus in zumeist komplexeren Spielen wie Caylus oder Agricola. Fresko gelingt es, das „Arbeitersetzen“ in den Rahmen eines deutlich zugänglicheren Spiels zu integrieren.

„Worker placement“ bedeutet bei den Restaurationsfachbetrieben, dass wir unseren fünf Gehilfen die Aufgaben für den Tag zuweisen. Dies machen wir – für die Mitspieler zunächst nicht sichtbar – auf einer Setztabelle. Ich könnte sie zum Einkaufen auf den Markt schicken. Oder zur Arbeit in den Dom. Denn dort gibt es die Siegpunkte zu gewinnen, indem mein Geselle eines der anfangs 25 Freskoplättchen mit der richtigen Farbkombination restauriert. Die nächste Station ist das Atelier, da bekomme ich Geld. In der danebenliegenden Werkstatt kann ich Farben mischen, um aus weniger wichtigen Grundfarben wertvollere Mischfarben zu machen. Ohne Lila kann ich an vielen Stellen im Dom gar nicht arbeiten – und Lila kann man nicht auf dem Markt kaufen. Zuguterletzt kommt das Theater, in dem ich die Stimmung meines zu früh aufgestandenen Betriebes aufbessern kann.

Nachdem ich meine Gesellen auf ihre Aufgaben verteilt habe, arbeiten wir die Stationen nacheinander ab. Der Spieler, der schon um 5 Uhr aufgestanden ist, beginnt in jeder Runde. Er hat auch die meisten Planungsmöglichkeiten. Er weiß, welche Farben er im Markt bekommt und welche Teile des Fresko noch unbearbeitet sind. Die Langschläfer ist hingegen von den Aktionen der anderen abhängig. Immerhin spart er Geld und hat gute Laune.

Fresko ist grafisch gelungen, großartig ausgestattet und beinhaltet sogar drei Erweiterungsmodule. Dies rundet den Eindruck eines tollen Spiels ab, das insbesondere durch seine hervorragende thematische Umsetzung beeindruckt. Fresko ist perfekt für alle, denen eine stimmungsvolle Geschichte genauso wichtig ist wie ein eingängiger Spieleablauf.

* Co-Autor der Erweiterungsmodule.

© Harald Schrapers · games we play 2010