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Akropolis

5 von 6 von Jules Messaud

Kobold Spieleverlag / Gigamic (Vertrieb: B-Rex Entertainment)

Illustration: Pauline Détraz

ca. 30 €

2 bis 4 SpielerInnen

Schwierigkeiteinfach (ab ca. 10 Jahre)

Jahrgang 2023

Die gelben Märkte mögen keine Konkurrenz, deshalb müssen sie auf Abstand zu den anderen Märkten liegen. Die violetten Gotteshäuser wollen ihre Gemeinde um sich scharen, deshalb punkten sie komplett umschlossen. Blaue Wohnviertel sollen eine große zusammenhängende Gemeinschaft bilden. Und die roten Garnisonen sorgen für Sicherheit nur am Rande der Stadt. Akropolis hat thematisch gut erklärten Regeln, obwohl es letztlich doch eher abstrakt wirkt. Denn wir müssen in unseren Ort auch noch Sterne in den passenden Farben einbauen, die als Multiplikatoren dienen.

Was zunächst ziemlich trocken aussieht, entwickelt schnell eine ziemliche Faszination. Denn das einfache Grundgerüst sorgt für erstaunlichen Tiefgang. Ich nehme mir aus der Auslage das vorne liegende Stadtplättchen, das aus jeweils drei Ortsteilen besteht, und puzzele es an meine bereits vor mir liegenden Plättchen an. Unter Berücksichtigung der Wertungsregeln gibt es einiges zu bedenken, ohne dass wir hier ein wirklich kompliziertes Grübelspiel vor uns hätten. Akropolis spielt sich sehr flott. Manchmal geht es so schnell, dass wir gezielt darauf achten müssen, niemanden zu überspringen, der noch über seinen vorangegangenen Zug nachdenkt.

Ob wir gewinnen hängt auch von dem Glück ab, dass ein jeweils gut passendes Stadtplättchen ausliegt. Wenn das erste ausliegende nicht gefällt, können wir einen Stein investieren, um das nächste ausliegende Plättchen zu nehmen. Das ist insbesondere dann sinnvoll, um Ortsteile mit Sternen zu bekommen – denn ohne Multiplikatoren stehen wir am Ende nackt da.

Akropolis erinnert im Spielgefühl und bei den einzelnen Spielelementen an Cascadia, das aktuelle Spiel des Jahres: Man wählt aus einer Auslage ein Plättchen, um daraus eine persönliche Land- oder Ortschaft zu bauen. Lebewesen, die in Cascadia für eine zweite Ebene gesorgt haben, gibt es bei Akropolis nicht. Stattdessen kann man in die Höhe bauen. Ich darf mit einem Stadtplättchen andere überbauen. So schaffe ich eine zweite, dritte und ganz selten auch vierte Ebene. Das ist insbesondere sinnvoll, wenn damit die recht farblosen Ortsteile verdeckt werden, die für Steinbrüche stehen. Wenn ich diese überbaue, bekomme ich einen Stein, den ich während des Spiels oder am Ende als Siegpunkt verwende. Noch wichtiger ist es, darauf zu achten, was oben liegt. Denn das Punktepotenzial eines Gotteshauses, eines Marktes und so weiter erhöht sich pro Höhenzuwachs um je eins.

Es zeigt sich, dass man Akropolis doch nicht so solitär spielen sollte, wie es zunächst scheint. Es ist gut, gelegentlich darauf zu achten, was die Gegnerin tut, insbesondere bei den etwas seltener vorkommenden Gärten. Denn hier befinden sich immer gleich drei Multiplikator-Sterne auf den entsprechenden Ortsteilen. Wer das komplett dem anderen überlässt, handelt fahrlässig. Tatsächlich kann es in den ersten Partien vorkommen, dass es sehr große Abstände bei den Siegpunktsummen gibt. Man sollte sich aber nicht frustrieren lassen – mit ein bisschen Erfahrung wird man schnell zu eigenen Erfolgen kommen. Es gilt, Schwerpunkte zu setzen, sich auf wenige Ortsteiltypen zu konzentrieren und andere auch schon einmal beherzt zu überbauen. Dann kommt einem die grafische Gestaltung auch nicht mehr so trist vor: Denn am Ende zählen die spielerischen Werte.

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