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Caylus

5 von 6 Punkten1303

von William Attia

Huch! (Lizenz: Space Cowboys, Vertrieb: Hutter Trade)

Illustration: Andrew Bosley

ca. 45 €

2 bis 5 SpielerInnen (besser: 3 bis 4)

Schwierigkeit mittel (ab ca. 12 Jahre)

überarbeitete Neuausgabe 2021

» ORIGINALAUSGABE

Deutscher Spiele Preis 2006

Spiel des Jahres – Sonderpreis komplexes Spiel 2006

Caylus ist ein Spiel für Strateginnen und Strategen. Es ist zwar schön gestaltet, gut ausgestattet und besitzt eine interessante Geschichte um den Bau einer repräsentativen Burg. Doch der Spielablauf ist längst nicht so spielerisch. Einen Glückfaktor gibt es keinen. Überraschungen bieten bestenfalls die Unwägbarkeiten der Mitspielenden – deswegen spielt es sich zu zweit reichlich trocken, lebendiger ist es mit drei oder vier Spielerinnen oder Spieler.

Je Sechs Arbeiterfiguren haben alle zu Verfügung. Die kann man auf die verschiedenen Häuser entlang der Straße verteilen, um die jeweilige Gebäudefunktion zu ihrem Vorteil zu aktivieren. So gibt es beispielsweise beim Hausplättchen „Steinbruch“ einen Rohstoffwürfel „Stein“. Oder der Arbeiter wird direkt zur Burg gestellt, um sich dort an den Bauarbeiten zu beteiligen.

Entlang der Straße entsteht im Laufe des Spiels eine Stadt. Wenn ein Arbeiter auf das Haus des Zimmermanns gestellt wird, wird ein neues Holzgebäude errichtet. Dafür benötigt die Spielerin den Rohstoff „Holz“ plus einen weiteren Rohstoff.

Der Maurer wohnt genauso wie der Notar in einem solchen Holzgebäude. Mit Hilfe des Maurers entsteht ein Steingebäude, während der Notar bestehende Häuser in Wohngebäude umwidmet.

Irgendwann – nach sicherlich mehr als einer Stunde Spieldauer – kann auch der in einem Steinhaus wohnende Architekt ins Spiel kommen. Er könnte ein Wohnhaus in ein Prestigegebäude wie eine Universität oder Kathedrale umbauen. Dafür braucht es viele Rohstoffe – inklusive Gold – und sicherlich auch einige Bedenkzeit, um einen solch langfristig anzugehenden Projekt taktisch klug zu planen.

Zwar erinnert die thematische Grundidee der Entstehung einer Stadt an das Siedler-Kartenspiel. Caylus ist jedoch weitaus komplexer und ähnelt dabei Puerto Rico. Im Gegensatz dazu fehlt bei dem französischen Caylus jegliches Zufallselement.

Manche Spielenden werden gerade dieses honorieren und sich auch durch die überaus komplexe Spielregel nicht abschrecken lassen. Doch der Zugang zu Caylus ist wahrlich nicht einfach. Wenn Caylus sich manche Regelschlenker zunächst gespart und sie in leicht erlernbare Regelergänzungen verpackt hätte, wäre es ein überragendes Spiel. Und wenn es wenigstens mit einem kleinen Glückfaktor ausgestattet wäre, hätte es Chancen, ein großer Erfolg zu werden. Doch Caylus soll nun man ein Spiel für Strateginnen und Strategen sein, die eine wirkliche taktische Herausforderung bei gleichzeitig guter Unterhaltung suchen.

Mit der Neuauflage Caylus 1303 wurde die Spielregel an einigen entscheidenden Stellen geglättet. Insbesondere das Geld wurde abgeschafft und durch zusätzliche Arbeiter ersetzt. Zusammen mit den optischen Modernisierungen bleibt dieses Spiel, das zu den Urvätern des „Worker-Placement"-Prinzips gehört, ein zeitgemäßes Erlebnis.

© · games we play 2013–20


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