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Scout

5 von 6games we play Tip: Das TOPspielvon Kei Kajino

Oink Games

Illustration: Jun Sasaki, Rie Komatsuzaki

ca. 20 €

2 bis 5 SpielerInnen (besser: 4 bis 5)

Schwierigkeiteinfach (ab ca. 10 Jahre)

Nominiert für das Spiel des Jahres 2022

Eigentlich könnte das Spiel auch „Show“ heißen – denn es geht um eine Zirkusshow. Ich spiele zwei meiner Handkarten aus und lege sie in die Tischmitte: George mit seiner Einradnummer und Carol mit ihren Stelzen. Diese Karten haben die Ziffern 6 und 7. Meine Mitspielerin muss nun überbieten: eine Zirkusnummer mit höheren aufeinanderfolgenden Ziffern, oder gleichen Ziffern oder – noch besser – mit drei Karten. Dabei darf sie die Reihenfolge ihrer Handkarten nicht verändern. Die Kartenpärchen, Drillinge oder die aufeinanderfolgenden Ziffern müssen sich bereits nebeneinander auf der Hand befinden. Das ist so ähnlich wie bei Bohnanza.

Wenn sie eine höherwertige Show auf den Tisch zaubert, gewinnt meine Mitspielerin die von mir gelegten Karten als Siegpunkte. Wenn sie es nicht schafft, muss sie scouten – daher der Name des Spiels. Das heißt: Sie wirbt Carol oder George an – ich kriege einen Siegpunkt als Ausbildungsentschädigung – und steckt die Karte irgendwo in ihre Hand. Das ist die Chance, die Reihenfolge der Handkarten zu beeinflussen. In diesem Moment darf die Mitspielerin Carol oder George auch auf den Kopf drehen. Dann hat sie keine 6 oder 7, sondern eine 1 oder 2. Denn jede Karte hat ein unterschiedliches Unten und Oben. Leider sind die Karten so gestaltet, dass sie die Ziffern nur an der linken Seite haben – das ist unpraktisch, weil es nicht nur Linkshänder gibt, die ihre Kartenhand gewohnheitgemäß nach links auffächern.

Die Herausforderung des Spiels lautet: Ich darf meine Hand nicht sortieren, aber muss trotzdem gute Karten haben. Also überlege ich, geschickt zu scouten oder umgekehrt vorzugehen: Irgendwo eine billige Show rausziehen und auf den Tisch legen – und dadurch befindet sich plötzlich ein Drilling oder gar Vierling auf der Hand. Viel Zeit, so etwas anzugehen hat man jedoch nicht oft. Denn wer zuerst seine Karten losgeworden ist, beendet die Runde. Und hat oft auch gewonnen und bekommt entsprechend viele Siegpunktmarker, während die Gegnerinnen manchmal sogar negative Punkte kassieren. Denn die verbleibenden Handkarten werden als Malus gezählt. Die Zahl der Spielenden gibt vor, wie viele Runden gespielt werden – wobei ich zu fünft empfehle, auf vier Runden zu verkürzen

Die Regeln sind einfach, aber die aus dem Japanischen übersetzte Spielanleitung ist leider nicht wirklich gut geschrieben. Der deutschsprachige Aufkleber, der auf dem Boden der ursprünglich englischsprachigen Spieleschachtel haftet, sieht schon nach kurzer Zeit schäbig aus. Trotz dieser kleineren Mängel überzeugt dieses schnelle Kartenspiel, das an Abluxxen und Krass kariert erinnert, mit seinem ungewöhnlichen und wirklich raffinierten Mechanismus uneingeschränkt, denn es sorgt für Emotionen am Spieltisch.

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